Staatsanwalt klagt in der Mannesmann-Abfindungsaffäre
publiziert: Dienstag, 25. Feb 2003 / 15:39 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 25. Feb 2003 / 15:55 Uhr

Düsseldorf - Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wirft dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weiteren Top-Managern Untreue vor. Der in der Mannesmann-Affäre entstandene Schaden beziffert die Behörde auf bis zu 57 Mio. Euro.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank.
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank.
Die Klage im Zusammenhang mit hohen Abfindungsgeldern bei der Übernahme von Vodafone durch Mannesmann richtet gegen den 55-jährigen Schweizer und ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsrat Josef Ackermann.

Geklagt wird weiter unter anderem gegen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Betriebsratschef Jürgen Ladberg - zwei ehemalige Aufsichtsräte bei Mannesmann - sowie Klaus Esser, dem früheren Konzernchef und Joachim Funk, dem ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzenden.

Ihnen wird Untreue in einem besonders schweren Fall oder Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft. Den Verteidigern wurde eine zweimonatige Frist für Stellungnahmen eingeräumt. Der Vorwurf entspricht in der Schweiz in etwa dem Art. 158 StGB über ungetreue Geschäftsbesorgung.

Vor gut einer Woche hatten die Ermittler lediglich mitgeteilt, Anklage gegen sechs Beschuldigte zu erheben, die entweder Begünstigte der Millionenzahlungen waren oder diesen im Aufsichtsrat zugestimmt hatten. Dabei ging es um insgesamt sieben Zahlungsvorgänge.

Mehrere Zahlungen von Prämien und Pensionen hätten den Interessen des Unternehmens und den Bestimmungen des Aktienrechts widersprochen. Besonders die Anerkennungsprämien hätten allein der Bereicherung der Begünstigten gedient, nicht dem Wohl des Unternehmens.

Esser und Funk hätten sich als Gegenleistung für ihre Zustimmung zu einer freundlichen Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone erhebliche Sonderzahlungen zusichern lassen und sich dabei über ihre nach dem Aktienrecht festgelegten Zuständigkeiten hinweggesetzt. Zwickel und Ackermann hätten die Beschlüsse mit durchgesetzt, obwohl sie von deren Rechtswidrigkeit gewusst hätten.

Nun muss das Landgericht Düsseldorf entscheiden, ob es zu einer Hauptverhandlung kommt. Nimmt das Gericht die Anklage an, wird es zu einem der grössten Wirtschaftsprozesse Deutschlands kommen.

(fest/sda)

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