Handy-Fotos: Qualitätssprung mit Quantenpunkten
publiziert: Montag, 22. Mrz 2010 / 18:50 Uhr

Menlo Park - Obwohl die technologische Entwicklung im Mobilfunksektor rasant voranschreitet, bleibt die Bildqualität von Handy-Fotos für viele User immer noch unbefriedigend.

Foto-Handys: «Bald viermal besser».
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Geht es nach den Plänen des kalifornischen Unternehmens InVisage Technologies, könnte sich dies aber bald ändern.

Die findigen US-Techniker haben in mehr als dreijähriger Arbeit eine neuartige Technologie entwickelt, die auf dem sogenannten «Quantum Dot»-Ansatz basiert und die Bildsensorleistung der in Mobiltelefone verbauten Kameras um ein Vielfaches verbessern soll.

«Die Tests in unserem Untersuchungslabor haben mich davon überzeugt, dass es den Handyherstellern in zwei Jahren möglich sein wird, Kameras anzubieten, die rund viermal besser sein werden als heute», stellt InVisage-CEO Jess Lee gegenüber der New York Times fest. Insbesondere bei Aufnahmen mit schlechteren Lichtverhältnissen liessen sich drastische Verbesserungen erzielen.

Als Beispiel verweist Lee auf Apples iPhone, dessen Drei-Megapixel-Kamera mithilfe der innovativen Technologie auf eine Auflösung von zwölf Megapixel hochgeschraubt werden könnte.

Quantenpunkte statt Silizium

Möglich werden soll der Qualitätssprung in der Handy-Fotografie durch die Verwendung eines völlig anderen Grundmaterials des Bildsensors. So wird Silizium, das derzeit bei Mobiltelefonen zum Einfangen von Licht für Fotoaufnahmen eingesetzt wird, durch Quantum-Dot-Technologie ersetzt. Diese Methode setzt auf eine nanoskopische Materialstruktur, die aus Quantenpunkten in der Grösse eines Nanometers - ein Milliardstel Meter - besteht.

Wissenschaftler versuchen bereits seit mehreren Jahren, die physikalischen Eigenschaften dieser Quantum Dots gezielt zu manipulieren und zu steuern - bislang jedoch ohne grossen Erfolg. Bei InVisage hat man diese Quantenpunkte nun dazu verwendet, um etwas zu bilden, das vom Unternehmen als «Quantum Film» bezeichnet wird. «Das ist nichts anderes als eine Schicht von Halbleitermaterial, die Licht besser sammeln kann als Silizium», erklärt Lee.

Qualitätsunterschiede bleiben

«Was die Qualität von Handy-Fotos im Vergleich etwa zu einer Spiegelreflexkamera betrifft, gibt es immer noch sehr grosse Unterschiede. Die Mobiltelefone können nur im sehr niedrigpreisigen Segment mit Digitalkameras mithalten», betont Constanze Clauss, Sprecherin des deutschen Photoindustrieverbands . Auch in Bezug auf die Funktionalität seien die sehr klein verbauten Handy-Kameras deutlich im Nachteil.

Aus User-Sicht sei letztendlich aber entscheidend, dass das Handy als ständiger Begleiter besonders für schnelle Schnappschüsse geeignet ist. «Foto-Handys stellen insofern eine Bereicherung dar, weil sie viele Nutzer - vor allem die Jugend - zur Fotografie bringen. Wer auf dem Mobiltelefon seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckt, greift danach aber bald zu einer echten Kamera», meint Clauss.

Auch wenn die Aufnahmequalität durch neue Technologien sicher noch verbessert werden könne, ist ein Aussterben spezieller Fotokameras daher auch in Zukunft eher unwahrscheinlich, so die Expertin.

(ht/pte)

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