iTunes-Killer?
Zune von Microsoft im Test
publiziert: Mittwoch, 9. Mrz 2011 / 13:19 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 9. Mrz 2011 / 13:58 Uhr

Das neue Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7 war für Windows-Fans zunächst ein Schock. Microsoft galt immer als eher offenes Unternehmen, das sich Lösungen wie Apples iTunes nicht zu Eigen machte.

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Zune-Software
Infos und Download.
zune.net

Nun wurde alles anders. Windows-Phone-7-Smartphones lassen sich nicht als Wechseldatenträger an jedem PC nutzen, für die Datenübertragung ist vielmehr die Software Zune zuständig. Microsofts iTunes heisst also Zune. Da kein Smartphone-Nutzer, der Windows Phone 7 einsetzt, an dieser Desktop-Software vorbeikommt, stellen wir Zune näher vor.

Download und Installation: Umfangreich

Von der Internetseite www.zune.net lässt sich die Zune-Software auf den PC herunterladen. Das Paket umfasst über 120 MB. Den Windows-Phone-7-Smartphones legen die Hersteller keine CD bei, das bedeutet: Um einen Download kommen die Nutzer nicht herum. Da Microsoft die Software allerdings öfter aktualisiert, ist die Download-Lösung ein guter Kompromiss. Keine Probleme gab es bei der Installation. Um Zune effektiv nutzen zu können, sollten die Smartphone-Nutzer über ein Windows-Live-Konto verfügen.

Beim Design der Zune-Software hat sich Microsoft stark an den Zune-MP3-Playern und an Windows Phone 7 orientiert. In den Statusleisten dominieren grosse Schriften, Verknüpfungsfelder (Tiles) sind kastenförmig gehalten. Beim Starten des Programms wird die Quickplay-Seite geladen, an die der Nutzer für ihn wichtige Inhalte anpinnen kann, beispielsweise Lieblingstitel. Ausserdem werden neue Elemente angezeigt. Das können MP3s, Videos oder Fotos sein. Fast versteckt finden sich in der linken unteren Ecke drei interessante Verknüpfungen: Mit dem Telefonsymbol kann ein Windows-Phone-7-Gerät sofort synchronisiert werden, Klicken auf das CD-Icon startet das Lesen, Brennen oder Rippen eines eingelegten Mediums und das Seiten-Symbol erzeugt eine neue Wiedergabeliste. Ebenfalls im unteren Bereich wird mittig das zuletzt abgespielte Medium angezeigt.

Sammlung: Inhalte vom Telefon und PC abgleichen

Mit «Synchronisieren» ist bei Zune lediglich der Abgleich von Musik, Videos und Fotos gemeint. Kontaktdaten oder Termine bekommen die Nutzer nicht per Zune aufs Windows-Phone-7-Smartphone übertragen. Dies ist momentan lediglich per Exchange-Server oder über Windows-Live-Dienste möglich. Apples iTunes leistet hier mehr.

Die Rubrik «Sammlung» listet alle auf dem PC verfügbaren Elemente aus den Bereichen Musik, Videos, Bilder und Podcasts auf und überträgt die Dateien auf Wunsch per USB-Kabel zwischen den Geräten. Da das Smartphone nur über einen begrenzten Speicherplatz verfügt -aktuell sind das bei Windows-Phone-7-Smartphones 8 GB oder 16 GB -, sollte die automatische Synchronisierung deaktiviert werden. Dies wird über die Einstellungen erledigt. Mit einem Rechtsklick auf ein Element können Nutzer die dahinter liegenden Daten zur Übertragung aufs Smartphone freigeben. Sobald sie dann das Telefon per USB andocken, werden die ausgewählten Dateien übertragen.

Mit einem Klick der rechten Maustaste erreichen die Nutzer der Zune-Software noch weitere Funktionen. So können sie Elemente auf eine CD brennen, zu einer Wiedergabeliste hinzufügen oder auch bearbeiten und löschen. Zune übernimmt hierbei die Funktion eines übersichtlichen Dateimanagers. Nicht möglich ist es hingegen, Elemente zu bewerten, obwohl diese Funktion seit Windows Vista in Microsofts Betriebssystemen eigentlich Standard ist. Lediglich bei MP3s haben Nutzer die Auswahl zwischen «Gefällt mir» und «Gefällt mir nicht». Aus dieser Bewertung lassen sich über die Wiedergabelisten auch automatische Listen erstellen, die nur Songs enthalten, die bestimmten Kriterien entsprechen. Dafür nötig sind allerdings möglichst korrekte ID3-Tags.

Interessant ist noch die Funktion «Podcasts». Hier lassen sich durch Eingabe einer URL (RSS-Feed) Podcasts abonnieren. Diese lädt Zune dann beim Starten der Software direkt herunter. In den Einstellungen lässt sich festlegen, wie viele davon im Archiv aufbewahrt werden. Ein übersichtliches Podcast-Archiv wie in iTunes gibt es nicht.

Marktplatz: Shop für Musik und Anwendungen

Ein grosser Schwachpunkt von Windows Mobile 6 war der schlecht ausgestattete Marketplace. Mit der Einführung von Windows Phone 7 hat Microsoft den Marketplace konsequent erweitert und mit dem Zune-MP3-Shop zusammengeführt. Kaufen können die Nutzer hier nun Musik, Videos und Programme fürs Smartphone. Aber nicht nur kostenpflichtige Apps finden sich hier, sondern auch kostenlose. Der gesamte Katalog lässt sich über Zune einfach und übersichtlich durchsuchen, das gelingt deutlich besser als am Smartphone.

Synchronisation zwischen PC und Handy

Wurde die passende Anwendung gefunden, kann sie per Klick direkt auf dem per USB angeschlossenen Smartphone installiert werden. Bezahlt wird bei Zune mit sogenannten Punkten («Microsoft Live Points»), die Video-Spielern auch von der Xbox 360 bekannt sein könnten. Diese werden per Kreditkarte gekauft. Ein MP3-Song kostet meist um die 100 Punkte. Für 800 Punkte bezahlt der Kunde etwa 10 Franken - ein Punkt kostet also 1,25 Rappen. Dieses System wirkt nicht nur auf den ersten Blick unverhältnismässig kompliziert. Besser wäre eine direkte Abrechnung in Franken. Etwas ärgerlich ist die langsame Geschwindigkeit beim Browsen durch den Marktplatz. Zum Aufrufen eines Albums mit zugehörigen Titeln kann Zune schon fünf bis zehn Sekunden brauchen. Dieses Verhalten trat im Test meist direkt nach dem Starten der Software auf. Scheinbar benötigt Zune einige Zeit, um in Schwung zu kommen.

Telefon: Verwalten eines angeschlossenen Smartphones

Wird ein WP7-Smartphone an den Rechner angeschlossen, poppt ein zusätzlicher Reiter in der Hauptnavigation von Zune auf. Über ihn lassen sich auch die Synchronisierungsoptionen bearbeiten. Dabei kann der Nutzer entscheiden, ob alle Inhalte vom PC oder nur ausgewählte übertragen werden sollen. Auch eine vollständig manuelle Synchronisation ist möglich. Die Reiter für Musik, Videos, Bilder und Podcasts tauchen auch hier wieder auf. So lässt sich schnell erkennen, welche Inhalte bereits auf dem Telefon vorhanden sind. Ausserdem können die Nutzer in den Einstellungen den Namen des Smartphones ändern oder dessen Firmware aktualisieren. Zuletzt lieferte Microsoft hier das erste Update für Windows Phone 7 aus.

Insgesamt sind die Möglichkeiten im Reiter «Telefon» aber gering. Über die angesprochene Synchronisierung und ein paar kleinere Optionen kommt Zune hier nicht hinaus. Daher lässt sich Zune auch nicht mit den PC-Suiten, die früher vor allem bei Herstellern wie Nokia oder Sony Ericsson beliebt waren, vergleichen. Es fehlen Funktionen wie SMS schreiben, E-Mails abrufen oder Screenshots anfertigen. Im Bereich «Telefon» enttäuscht Zune.

Einstellungen: Versteckte Funktionen

Wie bereits beschrieben offenbart ein Rechtsklick auf eine Datei viele Funktionen von Zune, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Über den kleinen Button «Einstellungen» erreichen Nutzer die Optionen der Zune-Software – und die sind vielfältiger als gedacht. Unter «Sammlung» kann man beispielsweise bestimmen, wo auf dem PC oder einer (Netzwerk-)Festplatte Musik-, Video- und Fotobibliotheken lagern. In der Regel erkennt Zune diese Speicherorte automatisch. «Dateitypen» legen fest, für welche Dateien Zune die Standard-Software sein wird. Zune eignet sich, ähnlich wie der Windows Media Player, zum Abspielen zahlreicher Formate. Interessant ist noch der Button «Rippen»: Hier können Nutzer festlegen, in welches Format Zune beim Einlegen einer CD die Titel umwandelt. Neben Windows Media Audio steht auf das beliebte MP3-Format zur Verfügung. Ebenso lassen sich die Qualität und damit der Speicherbedarf regeln.

Fazit: Zune macht Spass, schränkt aber ein

Optisch hinterlässt Microsofts Zune-Software einen guten und modernen Eindruck. In den meisten Fällen ist sie sogar übersichtlicher als Apples iTunes und wirkt weniger überladen. Dennoch bleiben Lücken, insbesondere bei der Synchronisierung eines angeschlossenen Mobiltelefons. Auch die mangelnde Integration von Windows-Funktionen (etwa Bildbewertungen) bleibt negativ haften. Bei einem Update würde sich ausserdem mancher Nutzer in den Optionen und an einigen anderen Stellen eine etwas grössere Schrift wünschen.

(Johannes Michel/teltarif.ch)

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