Weiterhin keine Anzeichen für Hirntumor durch Handys

publiziert: Freitag, 3. Dez 2004 / 07:02 Uhr

Über die gesundheitlichen Risiken, die vom Mobilfunk ausgehen sollen, wird nach wie vor gestritten. Eine neue Teilstudie der WHO sieht keinen Zusammenhang zwischen Erkrankungen und Handynutzung.

Allein der Anblick einer Mobilfunkantenne lässt viele Leute schlechter schlafen.
Allein der Anblick einer Mobilfunkantenne lässt viele Leute schlechter schlafen.
Abgesehen von tatsächlich möglichen Schäden durch die zunehmende Belastung durch Elektrosmog aller Art - schliesslich "strahlen" auch Fernsehgeräte, schnurlose Festnetztelefone, Babyphone, Funktastaturen und -mäuse und vieles mehr - ruft auch Angst vor den gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks gesundheitliche Beeinträchtigungen hervor. Diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind oft deutlicher zu spüren als die Auswirkungen des Mobilfunks selbst.

Teilweise ruft schon der Anblick eines Antennenmasten Schlafstörungen und Kopfschmerzen bei den Anwohnern hervor - und dass, bevor die Antennen überhaupt in Betrieb gegangen sind.

Das soll natürlich nicht heissen, dass die Mobilfunknutzung prinzipiell unbedenklich ist. Es ist unbestritten, dass Mobiltelefone unter bestimmten Umständen gefährlich können. Das fängt mit Verkehrunfällen an, die durch unbedachte Mobiltelefonieren verursacht werden und hört bei Herzschrittmachern auf, die durch Mobiltelefone ausgeschaltet werden können.

Nun wurde wieder eine neue Studie vorgelegt, nach der es keine Anzeichen gibt, die auf ein erhöhtes Hirntumorrisiko durch Handynutzung hindeuten. Die soeben abgeschlossene schwedische Teiluntersuchung im Rahmen des Interphone-Projektes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde von einer schwedischen Forschergruppe um Prof. Maria Feychting am Institut für Umweltmedizin (IMM) des schwedischen Karolinska-Instituts durchgeführt. Sie basiert auf der Auswertung von Daten zu 644 Hirntumorpatienten und 674 Vergleichspersonen.

Hirntumorerkrankungen seit 1984 leicht zurückgegangen

Die Studie untersuchte auch die Häufigkeitsentwicklung von Hirntumoren in den vergangenen Jahrzehnten in Skandinavien. In den späten 70er und frühen 80er Jahren, als der Mobilfunk noch keine weit verbreitete Technologie war, wurde dabei eine Erhöhung der Hirntumorrate in den skandinavischen Ländern festgestellt.

Diese beschränkte sich allerdings überwiegend auf die höchsten Altersgruppen und ging mit der Einführung verbesserter Diagnoseverfahren wie der Computertomographie einher. Dagegen sei die Hirntumorrate seit 1984 mit der Einführung der Mobiltelefonie stabil geblieben oder sogar leicht zurückgegangen.

Bei der Veröffentlichung handelt es sich um das dritte Zwischenergebnis der Interphone-Studie. Im Rahmen dieser im Oktober 2000 gestarteten, weltweit grössten Studie erforschen Teams aus 13 Ländern den Zusammenhang zwischen Handynutzung und dem Risiko von Hirntumorerkrankungen. Eine abschliessende Bewertung wird erst mit der Veröffentlichung der internationalen Auswertung möglich sein.

Die Interphone-Studie wird von der WHO koordiniert. Sie wird nach einem gemeinsam verfassten Studienprotokoll auf gleiche Weise in 13 Ländern durchgeführt. Neben Deutschland sind die skandinavischen Länder, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Israel, Australien, Neuseeland, Japan und Kanada beteiligt.

Darüber hinaus haben die deutschen Mobilfunknetzbetreiber gemeinsam mit der Bundesregierung das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Erkenntnisse über biologische Wirkungen und Mechanismen elektromagnetischer Felder zu vertiefen und vorhandene Wissenslücken zu schliessen. Bis voraussichtlich 2006 werden unter der Leitung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) mehr als 50 Forschungsprojekte durchgeführt.

(Marie-Anne Winter/teltarif.ch)

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