UMTS in Österreich mit 3
publiziert: Montag, 16. Jun 2003 / 10:58 Uhr

Hutchison 3G Austria bietet seit 5. Mai mobile Telefon- und Datendienste über ein eigenes UMTS-Netz in Österreich an. Vorerst ist UMTS nur in drei Regionen, nämlich im Grossraum Wien und St. Pölten sowie in Linz und Graz, verfügbar.

Robert Eckert (CFO) und Berthold Thoma (CEO) zeigen 3 Mobile.
Robert Eckert (CFO) und Berthold Thoma (CEO) zeigen 3 Mobile.
In den anderen Landesteilen können dank eines nationalen GSM-Roamingvertrages mit Mobilkom Austria (A1) immerhin mobile Telefonate geführt werden, schnelle Datenanwendungen oder Videotelefonie bleiben jedoch auf das 3-UMTS-Netz beschränkt.

3 verkauft bislang mit dem NEC e606 genau ein Endgerät. Das Handy verfügt über eine eingebaute Digital-Videokamera mit Zoom und ermöglicht Datenübertragungen mit maximal 384 KBit pro Sekunde im Downstream bzw. 64 KBit pro Sekunde im Upstream. Das NEC e606 ist ein sogenanntes Dual-Mode-Gerät, mit dem sowohl das bestehende GSM-Mobilfunknetz als auch das neue UMTS-Netz genutzt werden kann. Datenübertragungen sind allerdings nur via UMTS möglich, die Datenstandards GPRS oder HSCSD unterstützt das e606 nicht. Die Datenanwendungen können auf einem Farbdisplay betrachtet werden, das 132 mal 162 Pixel und 65.000 Farben darstellen kann. Das Handy kommt im typischen Klappdesign von NEC und wirkt ähnlich wie die ersten Handys für den Multimediadienst i-mode des deutschen Netzbetreibers E-Plus etwas klobig. Das Gerät wiegt 150 Gramm. Die Akkulaufzeit wird mit 41 Stunden Stand-By bzw. einer Gesprächszeit von 121 Minuten bzw. 63 Minuten bei Videotelefonie angegeben.

Handy mit SIM-Lock

Das Gerät wird in Österreich derzeit für 576 Euro (etwa 860 Franken) verkauft, wenn man gleichzeitig einen Vertrag bei 3 abschliesst, durch den nochmals mindestens 39 Euro (etwa 59 Franken) monatliche Kosten entstehen. Entschliesst man sich gleich zum Kauf von zwei Endgeräten, um beispielsweise mit Freund oder Freundin Videotelefonate führen zu können, so gewährt 3 einen Nachlass von etwa 130 Euro (etwa 195 Euro) pro Handy. Trotz des hohen Preises ist das NEC e606 mit einem SIM-Lock ausgestattet, funktioniert also nur mit einer SIM-Karte von Hutchison 3G. Ob und zu welchen Kosten man den SIM-Lock später entfernen lassen kann, ist laut 3 noch nicht entschieden.

3 verkauft das e606 mit zwei Bausteinen, dem 3VideoPaket und dem 3BasicPaket, die zusammen mindestens 39 Euro (etwa 59 Franken) pro Monat kosten. Damit kann man dann 133 Minuten national und 33 international telefonieren, 33 SMS versenden sowie 66 Minuten Videotelefonate mit anderen 3-Kunden und 33 Video-Nachrichten (ebenso 3-zu-3) versenden. Ebenso ist der Versand von 99 E-Mails sowie 33 Downloads und 99 Infodienst-Abrufe inklusive. Der Vertrag mit 3 hat keine Mindestlaufzeit und kann mit einer Frist von 8 Wochen zum Ende des Kalendermonats gekündigt werden.

3 ist anders - doch wo sind die Kunden?

Wie wir bei unserem Besuch im 3-Shop im Einkaufszentrum Linz-Pasching am letzten Wochenende erfahren konnten, fehlt es bei 3 noch an vielen Stellen: Der Shop ist trotz eines vollen Shopping-Centers nahezu immer leer. Die Shops bieten "Lifestyle ohne echten Erlebniswert", so sind die Handys dort hinter Glasscheiben verborgen, so dass man die Geräte nicht ohne Verkäufer ausprobieren kann. Die Beratung ist freundlich, jedoch hakt es beim Produkt bzw. bei der Demonstration des Handys immer wieder an der ein oder anderen Stelle. Das Gerät verfügt über die NEC-typische Navigation mit einem Mix aus Icons und Texten, dem Display fehlt in der Darstellung die letzte Brillanz. Da die Akkulaufzeit in den 3-Prospekten zu optimistisch angegeben wurde, liefert 3 mittlerweile zu jedem Handy einen kostenfreien Zusatzakku mit. Der eingebaute Standardakku hält dabei nur für eine knappe halbe Stunde Videotelefonie bzw. erreicht eine Stand-By-Leistung von einem Tag.

Videotelefonie: mit wem?

Medienberichte sprechen von nur wenigen hundert zahlenden Kunden, die 3 seit Anfang Mai für seine Services gewinnen konnte. Während in den anderen Handyshops die Kunden schon einmal bis zu einer Stunde Schlange stehen, um dann eines der augenscheinlich begehrten GSM-Endgeräte zu bekommen, fehlt es bei 3 an einem: Den Kunden. Dabei relativiert sich dann auch das angeblich so billige Inklusivpaket wieder, denn mit wem soll ich 66 Minuten Videotelefonie führen bzw. an wen 33 Videonachrichten versenden? Für ca. drei Stunden herkömmliche Sprachtelefonie und einige SMS sind 39 Euro bzw. 59 Franken pro Monat doch reichlich teuer.

Ebenso wirkt das Produkt UMTS bei 3 noch unausgereift. Ähnlich wie seinerzeit bei Quam in Deutschland startete 3 mit einer breit angelegten Imagekampagne. Passend zum weltweiten Markennamen 3 liess man es sich nicht nehmen und trommelte bereits zwei Monate vor dem Marktstart ab dem 03.03.03, 3 Uhr, für die "feurige Ziffer". Das Marketing läuft derzeit dem eigentlichen Produkt zu weit voraus, so dass 3 nun mit teuren Preisen, einem einzigen Handy und weiteren Kinderkrankheiten in den Verkauf gehen muss.

Preissenkungen und weitere Verbesserungen in Sicht

Österreichischen Medienberichten zufolge will 3 ab kommenden Dienstag reagieren und die eigenen Produkte durch sinkende Preise attraktiver machen. Ebenso steht mit dem NEC e808 bereits ein weiteres Gerät in den Startlöchern, das zusätzlich über eine vollständige Tastatur und einen E-Mail-Client verfügt. Das Gerät wird bei der britischen Dependance von 3 bereits verkauft.

Neben niedrigeren Preisen und neuen Endgeräten sollte man in der Wiener Firmenzentrale der österreichischen UMTS-Mobilfunktochter des Hutchison Whampoa-Konzerns aus Hongkong unbedingt den bestehenden Roamingvertrag mit Mobilkom Austria nachbessern und diesen auf GPRS-Roaming erweitern. Somit könnten die Kunden dann die Daten- und Messagingdienste auch ausserhalb des noch sehr kleinen UMTS-Netzes nutzen. Es bleibt zu hoffen, dass sowohl Netzbetreiber als auch Endgerätehersteller hier ihre letzten Testzyklen bis zum marktreifen Produkt nicht auch weiterhin mit den ersten Kunden durchleben werden. Diesbezüglich wird die zurückhaltende Markteinführung von UMTS bei vielen anderen Netzbetreibern umso verständlicher.

(Martin Müller/teltarif.ch)

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