2012 war ein mieses Jahr für viele Computer-Hersteller

Smartphone & Tablet zu Weihnachten: Das Problem der PC-Branche

publiziert: Dienstag, 25. Dez 2012 / 23:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 26. Dez 2012 / 13:37 Uhr
Smartphone sind der Renner
Smartphone sind der Renner

Lag bei Ihnen auch ein Smartphone oder Tablet unter dem Weihnachtsbaum? Dann sind Sie damit nicht allein, denn fast 40 Prozent der Deutschen wünschten sich zum Fest eins der mobilen Geräte oder wollten es sich selbst gönnen, wie eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom ergab.

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Die Zahl ist eine perfekte Illustration für die Nöte der PC-Branche - ihre Notebooks und Desktops lösen keine solche Begeisterung aus. 2012 war ein mieses Jahr für viele Computer-Hersteller. Und 2013 könnte zum Schicksalsjahr werden: «Die Branche kann sich ein zweites verlorenes Jahr nicht erlauben», sagt Analyst Ranjit Atwal vom Marktforscher Gartner.

Ein Bild davon, wie genau es um den klassischen Personal Computer steht, werden in wenigen Wochen die Zahlen zum vierten Quartal liefern. Das Geschäft im dritten Vierteljahr lief miserabel. Weltweit gab es einen Absatzrückgang von mehr als acht Prozent, in Deutschland brachen die Verkäufe um fast ein Fünftel ein. In dem Quartal gab es noch eine plausible Rechtfertigung für den scharfen Abfall: Kurz vor dem Start des neuen Windows-Betriebssystems Windows 8 hielten sich die Käufer zurück und die grossen Handelsketten liessen sich Zeit, die Regale aufzufüllen.

Windows 8 kommt besser an Windows 7

Für das Schlussquartal wird diese Ausrede nicht mehr gelten. Windows 8, der grosse Hoffnungsträger der PC-Industrie, ist mit ersten Geräten auf dem Markt. Die Software ist so konzipiert, dass sie nicht nur auf PCs, sondern auch auf Tablet-Computern läuft. Damit werden Hybrid-Geräte aus beiden Produktklassen mit klappbaren oder drehbaren Bildschirmen möglich. Das soll den PC in den Augen der Verbraucher wieder attraktiv machen.

Absatzzahlen zu Windows 8 gibt es noch nicht. Einige Marktexperten sprachen von einem zaghaften Start. So ermittelte die Marktforschungsfirma NPD Group, dass im November in den USA sogar weniger Windows-Computer als vor einem Jahr verkauft worden seien. Microsoft selbst zeigte sich allerdings zufrieden und teilte Ende November mit, dass mittlerweile 40 Millionen Lizenzen für Windows 8 verkauft wurden. Demnach kommt das neue System im Vergleich zu Windows 7 besser bei den Konsumenten an. In den 40 Millionen Lizenzen sind sowohl die verkauften Computer mit Windows 8, als auch die Upgrades einbezogen worden.

Eine zentrale Frage dürfte allerdings das Verhalten der Unternehmen werden: Mit ihren grossen Geräteparks trugen sie stets einen grossen Teil der Branche auf ihren Schultern. Doch mit der wirtschaftlichen Unsicherheit und dem Trend, die Mitarbeiter ihre Geräte auch am Arbeitsplatz nutzen zu lassen, schwächelt dieser Stützpfeiler der PC-Industrie.

Preise für Ultrabooks müssten radikal sinken

Die Branche fährt auf Sicht in die Zukunft: Selbst bei Gartner haben Experten zum Teil völlig verschiedene Meinungen, ob die neuen Hybrid-Geräte das Interesse der Kunden wieder anfeuern können. Die neuen «Convertibles» seien ein «attraktives Angebot», sagt Analystin Meike Escherich. Ihr Kollege Atwal hingegen geht nicht davon aus, dass die Hybrid-Modelle - ebenso wie die schon seit einem Jahr als Heilsbringer beschworenen dünnen Ultrabooks - eine Wende herbeiführen können. «Der Preis der Geräte ist immer noch zu hoch und müsste radikal sinken, damit die Verbraucher zum Kaufen zu animiert werden», argumentiert er. Ausserdem seien Kombi-Modelle immer ein Kompromiss und schnitten in der Regel schlechter ab als die Einzelgeräte in ihren Einsatzbereichen.

Mit dem Wandel der Branche verschieben sich auch die Gewichte zwischen den einzelnen Unternehmen. Der langjährige Weltmarktführer Hewlett-Packard ist gerade dabei, die Spitzenposition an den chinesischen Konkurrenten Lenovo zu verlieren. Dem Käufer der PC-Sparte von IBM hilft unter anderem die starke Position im weiterhin wachsenden chinesischen Heimatmarkt. Aber selbst in Europa konnte Lenovo punkten, während HP seine Kunden mit dem Zickzack-Kurs im PC-Geschäft verunsicherte: Erst sollte die Sparte abgetrennt werden, dann blieb sie doch im Konzern.

Samsung ist die Nummer 1

Zählt man in der neuen Computerwelt klassische Personal Computer, Smartphones und Tablets zusammen, gibt es zwei klare Champions: Samsung und Apple. Der Marktforscher IDC erstellte für das dritte Quartal erstmals ein solches Ranking. Dank der mit Abstand führenden Position bei Computer-Handys landete Samsung klar auf dem ersten Platz mit insgesamt 66,1 Millionen verkauften Geräten und einem Marktanteil von 21,8 Prozent. Zum Vergleich: Alle Hersteller zusammen verkauften in dieser Zeit weltweit knapp 88 Millionen PCs.

Der iPhone- und iPad-Hersteller Apple kam in dem auf den zweiten Rang mit 45,8 Millionen Geräten und 15,1 Prozent Marktanteil. Im Weihnachtsquartal dürfte der US-Konzern mit dem iPhone 5 noch etwas aufgeholt haben.

(Thomas Michel/teltarif.ch)

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