France Telecom einigt sich auf Rettungsplan

publiziert: Freitag, 22. Nov 2002 / 18:50 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Nov 2002 / 21:42 Uhr

Paris/Büdelsdorf - Der angeschlagene Telefonkonzern MobilCom ist gerettet: Nach einer monatelangen Zitterpartie hat der Pariser Anteilseigner France Télécom einem milliardenschweren Rettungsplan zugestimmt.

Wolfgang Clement, Deutschland SPD, zeigte sich erleichtert über die verhinderte Firmenpleite.
Wolfgang Clement, Deutschland SPD, zeigte sich erleichtert über die verhinderte Firmenpleite.
Der Plan sieht einen Stopp des neuen UMTS-Mobilfunknetzes und bis zu 1858 Stellenstreichungen vor. Dem Plan sollen noch mehrere Gläubiger zustimmen. France Telecom steht demnach für Verpflichtungen des nordddeutschen Unternehmens von insgesamt gut 7,5 Mrd. Euro ein.

Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zeigte sich erleichtert über die nun wohl endgültig abgewendete Firmenpleite. Die Aktien beider Unternehmen legten zu.

Der Einigung zufolge soll MobilCom als Anbieter von Mobilfunk im bisherigen Sendestandard GSM, Festnetz-Telefonie und Internet weiter bestehen. Rund 3000 Mitarbeiter behalten ihre Arbeitsplätze. Dafür erhält das Unternehmen einen Bankenkredit von 162 Mio. Euro; dieser ist zu 80 Prozent durch den deutschen Staat und das Land Schleswig-Holstein garantiert.

Im Gegenzug für die Pariser Milliarden sollen MobilCom und Firmengründer Gerhard Schmid auf Rechtsmittel gegen France Télécom verzichten. Die entstehenden Kosten seien vollständig durch Rückstellungen gedeckt, betonte der Pariser Konzern.

Ein MobilCom-Sprecher sagte am Firmensitz in Büdelsdorf, trotz des gestoppten UMTS-Eigengeschäftes werde das Unternehmen eine Zukunft als Dienstleister haben. MobilCom-Firmengründer Gerhard Schmid erklärte, die Franzosen seien nicht aus ihren Verpflichtungen entlassen worden.

Den Pariser Angaben zufolge will France Télécom unter anderem Forderungen von Banken und MobilCom-Lieferanten für 6 Mrd. Euro übernehmen. Dafür will das französische Unternehmen Schuldtitel ausgeben, die ab einem Kurs von 47 Euro in Aktien umgewandelt und dann verkauft werden können.

Derartige Titel zählen aus finanztechnischer Sicht nicht als Schulden. Im Rahmen der Einigung soll France Télécom zudem andere MobilCom-Aktionäre mit einer Milliarde Euro abfinden; damit belaufen sich die Übernahmen allein auf diesem Gebiet auf 7 Mrd. Euro.

Zudem steuert France Télécom 580 Mio. Euro bei, damit MobilCom sein UMTS-Netz in Deutschland stoppen kann. Ein Viertel davon soll noch dieses Jahr fliessen.

(bsk/sda)

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