Nerv-Ranking

Beim Handy wird der Knigge ignoriert

publiziert: Montag, 17. Okt 2011 / 14:41 Uhr / aktualisiert: Montag, 17. Okt 2011 / 14:58 Uhr
Digitale Etikette: Die meisten Handynutzer wollen den Fehler nicht bei sich suchen.
Digitale Etikette: Die meisten Handynutzer wollen den Fehler nicht bei sich suchen.

Ob nervige Klingeltöne, zu laute Gespräche, SMS-Tipper am Steuer oder Prahlerei mit Edel-Smartphones. Im Umgang mit dem Handy gibt es einige Nerv-Faktoren. Die Fehler machen aber immer die anderen.

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«Seit 15 Jahren suchen wir nach Benimm-Standards im Umgang mit Handys. Jetzt sind wir in der Endphase des Herausbildens von allgemeinen Regeln», sagt der Psychologe und Telekom-Experte für Handy-Etikette, Raimund Schmolze, im Gespräch mit pressetext. Eine Studie von Intel legt aber nahe, dass es die meisten Menschen nicht allzu genau nehmen mit der Höflichkeit im Umgang mit mobilen Geräten, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Nervende Klingeltöne

In einer Umfrage unter 12.000 Menschen in 16 europäischen Ländern, im Nahen Osten und in Südafrika hat Intel erfragt, welche Sünden im Umgang mit mobilen Geräten der Allgemeinheit am meisten auf die Nerven gehen. Die Ergebnisse unterscheiden sich von Land zu Land recht deutlich. Das Telefonieren im Cafe wird beispielsweise in vielen Ländern toleriert. In Spanien wird es aber nicht gern gesehen. «Kulturelle Unterschiede machen sich auch im Umgang mit mobilen Geräten bemerkbar. Spanier telefonieren tendenziell lebhafter als Deutsche, weshalb ein Telefonat im Cafe vielleicht als störender empfunden wird», so Schmolze.

Ein Drittel der Deutschen hält das Benehmen vieler mobiler Gerätenutzer für unzulänglich. Dagegen gibt nur ein Prozent der Befragten in der Bundesrepublik zu, auch selber manchmal gegen die digitale Etikette zu verstossen. «Das ist ein typisches Befragungsphänomen. Wenige Menschen geben zu, dass sie selbst Verbrecher sind», so Schmolze. Die unbeliebtesten Regelverletzungen im Alltag sind nervige Klingeltöne und zu laute Gespräche. 57 Prozent der deutschen Befragten finden das unausstehlich. Nur das Schreiben von Kurznachrichten am Steuer erregt bei über zwei Drittel der Befragten noch mehr Unmut. Trotzdem geben über 30 Prozent der Deutschen an, schon einmal im Fahrersitz eine SMS verschickt zu haben.

Toilettengespräche

Laute Telefonate in öffentlichen Toiletten sind in Europa fast überall verpönt. In Spanien, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind sie aber nichts Besonderes. Was in beinahe allen Ländern ungern gesehen wird, ist Prahlerei mit dem Mobiltelefon. In Deutschland sind etwa zwei Drittel der Befragten genervt von Handys als Statussymbolen. Am grössten ist der allgemeine Unmut über missbräuchlichen Gebrauch mobiler Geräte übrigens in Südafrika. Allgemein anerkannte Benimmregeln können den Ärger der Bevölkerung aber lindern. «Die gesellschaftlichen Verhandlungen über eine mobile Knigge sind nie abgeschlossen, da sich Technik und akzeptiertes Verhalten ändern. Der Konsens ist stets nur eine Basis zum Weiterdiskutieren», sagt Schmolze.

 

 

(fkl/pte)

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