Neuer Behandlungsansatz
Amputation: Virtueller Arm lindert Phantomschmerz
publiziert: Donnerstag, 27. Feb 2014 / 00:10 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 27. Feb 2014 / 19:39 Uhr

Göteborg - Wissenschaftler der Chalmers University of Technology haben einen neuen Behandlungsansatz für Amputierte mit Phantomschmerzen in den Gliedmassen entwickelt.

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Über rechnergenerierte Augmented Reality kann der Patient einen virtuellen Arm sehen und bewegen, der durch den verbleibenden Arm kontrolliert wird. Elektrische Signale der Muskeln der amputierten Gliedmasse «kommunizieren» mit dem Computer und erlauben so eine Bewegung in Echtzeit.

Schmerzen deutlich reduziert

Der Patient Ture Johanson konnte seine Schmerzen durch das neue Computerprogramm deutlich verringern. Er setzt es jetzt regelmässig zu Hause ein. Johanson erlebt jetzt Perioden ohne Schmerzen und wacht nicht mehr in der Nacht durch Schmerzen auf. Der 73 Jahre alte Schwede hat die Hälfte seines rechten Armes bei einem Autounfall vor 48 Jahren verloren.

In den vergangenen Jahrzehnten hat er viele Behandlungsansätze und auch Hypnose ausprobiert, allerdings ohne Erfolg. Innerhalb einiger Wochen nach dem Beginn der Behandlung mit der Augmented-Reality-Lösung haben sich seine Schmerzen verringert. «Ich habe zwar immer noch Schmerzen. Sie dauern aber oft statt Minuten nur noch Sekunden. Ich spüre sie jetzt nur noch im kleinen Finger und an der Spitze des Ringfingers. Zuvor reichten die Schmerzen von meinem Handgelenk bis zum kleinen Finger.»

Einsatz auch bei Rehabilitation

Auch die Wahrnehmung der Phantomhand hat sich verändert. Sie befindet sich jetzt in einer ruhenden und entspannten Position und ist nicht mehr zur Faust geballt. Johanson hat auch gelernt, die Bewegungen seiner Phantomhand ohne Verbindung zum Computer oder Beobachten der virtuellen Hand zu kontrollieren. Der leitende Wissenschaftler Max Ortiz Catalan geht davon aus, dass das Bewegen der Muskeln und die Möglichkeit, ihre Aktivitäten zu beobachten, der Schlüssel für den Erfolg dieses Behandlungsansatzes sein dürften.

«Die motorischen Areale im Gehirn, die für die Bewegung des amputierten Armes erforderlich sind, werden reaktiviert. Das visuelle Feedback bringt das Gehirn dazu zu glauben, dass es einen Arm gibt, der diese motorischen Befehle ausführt. Der Patient hat das Gefühl, dass der amputierte Arm wieder vorhanden ist.» Einsatzgebiete des neuen Behandlungsansatzes könnten auch die Rehabilitation nach einem Schlaganfall mit Verletzungen des Rückenmarks sein. Details wurden in Frontiers of Neuroscience veröffentlicht.

(ig/pte)

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