Niedrige Preise und neue Geschäftsmodelle

Amazon setzt Konkurrenz mit Tablets unter Druck

publiziert: Mittwoch, 12. Sep 2012 / 09:20 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 12. Sep 2012 / 13:47 Uhr
Das «teure» Tablet von Amazon, das Kindle Fire HD, kostet in Deutschland gerade einmal um die 240 Franken.
Das «teure» Tablet von Amazon, das Kindle Fire HD, kostet in Deutschland gerade einmal um die 240 Franken.

Seattle - Amazon setzt seine Mitbewerber am Tablet-Markt mit der Präsentation seiner neuen Kindle-Fire-Produkte unter Druck. Die aggressive Preisgestaltung liegt deutlich unter den Angeboten vieler Konkurrenten und beschert Amazon einigen Expertenmeinungen zufolge sogar Verluste bei jedem gekauften Gerät, wie das Wall Street Journal berichtet.

10 Meldungen im Zusammenhang
Im Kampf um wertvolle Nutzer, deren Hunger nach Apps und Services, die Begehrlichkeiten der Tablet-Hersteller geweckt haben, versucht Amazon alles, um Branchenprimus Apple User abzujagen: Die niedrigen Preise werden durch Werbeeinschaltungen subventioniert, die Nutzer nur gegen ein monatliches Entgelt loswerden können.

«Monopolähnliche Marktanteile wie die von Apple bei Tablets sind nicht allzu lange haltbar. Jeder Newcomer ist eine Gefahr. Die Amazon-Produkte sind sehr günstig und die Ausstattung hört sich ebenfalls gut an. So toll, dass sofort alle iPad-Nutzer überlaufen, sollen die Fire-Modelle laut Fachpresse aber nicht sein. Dass Google mit dem Nexus 7 Tablet zeitgleich ebenfalls ein gut verarbeitetes Tablet zu Verlustpreisen anbietet, ist strategisch klug und erhöht den Druck auf Apple», sagt Eerik Budarz von Silvia Quandt.

Technischer Gleichstand

Obwohl sich die technische Ausstattung der verschiedenen Tablets nicht mehr grossartig voneinander unterscheidet, sind Apples hochpreisige Geräte nach wie vor die beliebtesten Produkte am Markt. Laut einer Studie des Marktforschers IDC hat Apple im zweiten Quartal 2012 stolze 68 Prozent aller Tablets verkauft. Im Gegensatz zum Smartphone-Bereich wackelt der Thron des Hightechkonzerns aus Cupertino hier also noch nicht. Amazons Dumping-Preise könnten das jetzt aber ändern. Das günstigste Einsteigermodell der Fire-Produktpalette kostet lediglich 159 Euro (ca. 190 Franken). Apple-iPads sind unter 399 Euro (ca. 480 Franken) nicht zu haben.

Dieser enorme Preisvorteil wird den Konkurrenten und Konsumenten zu denken geben. Eine Ersparnis von fast 300 Franken dürfte selbst für hartgesottenen Apple-Fans attraktiv wirken. Auch die teureren Fire-Modelle sind gegenüber vergleichbaren Apple-Produkten billig.

Aggressive Methoden

Amazon Chef Bezos hat bei der Präsentation der neuen Geräte zugegeben, dass der Konzern beim Verkauf der Hardware keinen Gewinn oder sogar Verluste machen wird. Er fügte aber hinzu, dass Amazon sein Geld mit dem Verkauf von Apps und Services über die Kindle-Plattform verdienen wolle. Schnöder Hardwareverkauf interessiert den Online-Riesen als Geschäft also wenig. «Interessant wird, ob Amazon es schafft, erfolgreiche Zusatzdienste zu etablieren. In Europa wird das schwieriger, weil der Markt für E-Books noch nicht so weit ist wie in den USA», so Budarz.

Experten erwarten, dass auch Apple, das sich normalerweise notorisch weigert, seine hohen Preise anzupassen, wenigstens mit einem neuen Produkt reagieren wird. Ein kleineres iPad, das mutmasslich auch billiger sein soll, wird noch dieses Jahr erwartet.

Produkte als Werbeplattform

Um den teuren Druck auf die Konkurrenz finanziell abzufedern, hat Amazon seine neuen Produkte als Werbeplattform konzipiert. Die Home- und Unlock-Screens werden standardmässig mit Werbeeinschaltungen befüllt. Erst auf Druck der User hat Amazon jetzt angekündigt, um 15 Dollar (etwas unter 15 franken) eine Opt-Out-Möglichkeit anzubieten. Amazon schöpft also jede Möglichkeit aus, um seine Hardware billiger verkaufen zu können. Analysten gehen derzeit trotzdem davon aus, dass sich die Apple-Konkurrenten auch mit Billig-Preisen nur um Platz zwei streiten können. Denn die Apfel-Knechte haben etwas, was die Konkurrenz noch nicht hat: Ein riesiges Angebot an speziell für das iPad angepasste Apps.

«Das ist auch einer der Gründe für Amazons Vorstoss. Der Konzern braucht eine breite Basis, um viele Zusatzdienste verkaufen zu können. Das Prinzip ist deshalb ähnlich wie bei Rasierern, wo die Geräte fast verschenkt werden, die Klingen aber viel Geld kosten. Am Ende muss über einen längeren Zeitraum nur dieselbe oder zumindest eine ähnliche Summe herausspringen», erklärt Budarz.

(bg/pte)

Machen Sie auch mit! Diese egadgets.ch - Meldung wurde von 2 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Klein, leicht, gut verarbeitet, aber auch ... mehr lesen
Apple iPad mini.
Das preisgünstigste E-Book von Orell Füssli.
Zürich - Angesichts der stetigen Abwanderung der Kunden ins Internet will auch Orell Füssli auf der steigenden Welle der elektronischen Bücher surfen. Die Buchhandels- und ... mehr lesen
New York - Mit der Ankündigung eines neuen Tablet-Computers verschärft ... mehr lesen
Bessere Auflösung als das iPad: Googles Nexus 10.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Amazon verbuchte im vergangenen Quartal einen Millionen-Verlust.
San Francisco - Der weltgrösste ... mehr lesen
Bentonville - Das grösste US-amerikanisches Einzelhandelsunternehmen ... mehr lesen
Das grösste US-amerikanisches Wal-Mart verbannt den E-Book-Reader Kindle aus seinen Regalen und Webshops.
Das Amazon Kindle Fire HD fällt insgesamt etwas grösser aus als das bisherige Kindle Fire.
eGadgets In der vergangenen Woche hat Amazon seine neue Kindle Reihe bestehend aus ... mehr lesen
eGadgets Santa Monica - Amazon zieht mit neuen Tablet-Computern in das Weihnachts-Duell ... mehr lesen 3
Die Erfolgsstory des Kindle Fire geht weiter. (Archivbild)
Fotomontage: Amazon soll am Kindle Phone arbeiten.
Seattle - Internetriese Amazon dürfte ... mehr lesen
Falsches Bild
Vielen Dank für den Hinweis. Das Bild wurde angepasst.
Blackberry
komisch, dass das Bild ein PlayBook vom RIM zeigt...
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Jedes drahtlose Gerät und Produkt, das mit dem Internet verbunden werden kann, muss über Funktionen verfügen, die den Schutz von Personendaten gewährleisten.
Jedes drahtlose Gerät und Produkt, das mit ...
Vernetzte Geräte müssen die Privatsphäre ihrer Benutzerinnen und Benutzer besser schützen. Neue Bestimmungen in der Verordnung des BAKOM über Fernmeldeanlagen (VFAV) erhöhen die Cybersicherheit von bestimmten, auf dem Schweizer Markt erhältlichen, drahtlosen Geräten wie Smartphones, Smartwatches, Fitness-Trackern und drahtlosen Spielzeugen. Die Revision tritt am 1. September 2022 in Kraft. mehr lesen 
Publinews Samsung hat seine neue Galaxy S22-Serie auf dem letzten Samsung Event am 9. Februar vorgestellt. Hier verraten wir Ihnen, welche ... mehr lesen  
Das Galaxy S22 ist nah an der Perfektion.
Eine virtuelle Spinne in der App Phobie.
Forschende der Universität Basel haben eine Augmented-Reality-App für Smartphones entwickelt, um Angst vor Spinnen zu reduzieren. Die App hat sich in einer klinischen Studie bereits bewährt: Schon nach ... mehr lesen  
Fotografie Der Premium-Kamerahersteller Leica bringt sein erstes Telefon auf den Markt: Das Leitz Phone 1 wird seit dem 16. Juli exklusiv in Japan verkauft. ... mehr lesen  
Das Leica Leitz Phone 1 setzt neue Kameramassstäbe bei Smartphones.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
Werden Menschen in den USA jetzt besser vor zielgerichteter Werbung geschützt?
DOSSIER Social Media Zielgerichtete Werbung in den USA unter Beschuss Politiker der Demokratischen Partei haben ...
 
News
   
Auch in der Produktion erfreuen sich sogenannte Industrieroboter stetig wachsender Beliebtheit.
Publinews Was vor einigen Jahren nur in Science-Fiction Filmen zu bewundern war, ist heute alltäglicher Bestandteil unseres Zusammenlebens und daraus nicht mehr ... mehr lesen
Wer sich nicht so gut mit dem Messenger auskennt, der sollte grundsätzlich bei unbekannten Nummern vorsichtig sein.
Publinews Bei der Verwendung eines Smartphones stehen einem verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. In früheren Zeiten war es aufs Telefonieren und SMS ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 8°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
Basel 9°C 13°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 8°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
Bern 8°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 8°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt, Regen
Genf 10°C 14°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
Lugano 11°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten