Virtuelle Mobilfunk-Anbieter vor dem Aus
publiziert: Donnerstag, 19. Jul 2007 / 19:59 Uhr / aktualisiert: Freitag, 20. Jul 2007 / 07:42 Uhr

Lange Zeit wurden sie als das kommende Geschäfts-Modell der Mobilfunk-Branche gehandelt, nun sollen sie bereits wieder vom Aussterben bedroht sein: Die virtuellen Mobilfunkbetreiber, auch MVNOs genannt.

Auch Billig-Anbieter werden es schwer haben.
Auch Billig-Anbieter werden es schwer haben.
Angesichts der gesättigten Märkte in Europa drängen die etablierten Mobilfunk-Konzerne über Zweitmarken ins Billigsegment - damit graben sie den virtuellen Anbietern ihre Geschäftsgrundlage ab.

Die Marktbeobachter von Fitch Ratings sehen harte Zeiten auf die virtuellen Mobilfunkbetreiber in Europa zukommen. Als Referenzmarkt für die Telekom-Zukunft sehen die Fitch-Analysten Nordeuropa an: In Skandinavien hat eine Konsolidierungswelle einen Grossteil der MVNOs förmlich vom Markt gefegt.

In Norwegen beispielsweise hat der Branchenprimus Telenor Anfang dieses Monats den Anbieter Talkmore übernommen. Zusammen mit den 60 000 Talkmore-Kunden haben die beiden norwegischen Netzbetreiber Telenor und die TeliaSonera-Tochter NetCom nun mehr als 95 Prozent der norwegischen Mobilfunkkunden. Auch in Finnland oder Norwegen soll die Lage ähnlich sein.

In Dänemark wurden die letzten beiden unabhängigen MVNOs aufgekauft - Tele2 wurde ebenfalls von Telenor übernommen, debitel von TeliaSonera.

Billigoption lockt Kunden

Als Billigoption gegenüber den herkömmlichen Angeboten auf dem Mobilfunkmarkt konnten die MVNOs nach ihrem Markteinstieg einen durchaus bemerkenswerten Kundenzulauf verzeichnen. Durch ihr Auftreten wurde das Preisniveau gesenkt und eine grössere Verbreitung der Mobilfunknutzung erreicht.

Umgekehrt führt das Engagement der etablierten Netzbetreiber im Discount-Bereich zu weiterhin sinkenden Preisen und drückt damit die Margen bei allen Anbietern.

Den MVNOs, die von Anfang an knapp kalkuliert haben, bleibt in der Folge nur der Ausweg, sich von den Grossen aufkaufen zu lassen. Damit sinkt die Anzahl der Wettbewerber - das bedeutet aber nicht, dass damit der Wettbewerbsdruck in gleichen Masse abnimmt.

Während die Konsolidierung in Nordeuropa schon fortgeschritten ist, sieht man in anderen europäischen Märkten nun die Anfänge - die etablierten Mobilfunker engagieren sich zunehmend selbst im Billigsektor, um den MVNOs den Discount-Markt nicht kampflos zu überlassen. In Deutschland beispielsweise mit vistream tatsächlich nur ein echter MVNO am Markt ist.

Zweitmarken simyo und Base

Bei simyo und Base beispielsweise handelt es sich um Zweitmarken von E-Plus, bei Blau dagegen um einen Mobilfunk-Provider, der eigene Angebote im E-Plus-Netz verkauft. Auch bei smobil und ja!mobil zum Beispiel handelt es sich ebenfalls um Provider im Discount-Bereich.

Ein MVNO verfügt über eigene Netzkomponenten und eine eigene Netzvorwahl. In der Schweiz ist Tele2 seit 2004 als MVNO am Markt, seit Februar gibt es mit Lebara einen zweiten virtuellen Mobilfunkanbieter. Dieser konkurriert mit Discountern wie Coop Mobile und Migros.

Gemeinsam ist diesen Billig-Anbietern allerdings, dass sie es angesichts der immer grösser werdenden Konkurrenz von Zweitmarken der Netzbetreiber zunehmend schwer haben, sich mit ihren eigenen Angeboten abzuheben.

Mittlerweile ist das kaum noch über den Preis möglich. Auch fehlen ihnen die Mittel für grossangelegte Werbekampagnen - sofern sie nicht einen anderen Konzern im Rücken haben, über den sie präsent sind und gleichzeitig ihren Vertrieb organisieren - wie das bei den Mobilfunk-Marken der Lebenmittel-Discounter oder Drogerie-Ketten der Fall ist. Mittelfristig ist zu erwarten, dass kleinere Wettbewerber wieder verschwinden.

(von Marie-Anne Winter/teltarif.ch)

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