Touch-Edition von Symbian - (noch) mangelhaft
publiziert: Dienstag, 16. Mrz 2010 / 21:55 Uhr

Im Jahr 2002 führte der Handy-Hersteller Nokia mit dem Symbian-Betriebssystem und der Oberfläche Serie 60 ein neues System ein. Das erste Handy mit Serie 60 war das Slider-Gerät Nokia 7650. Die Idee damals: Schluss mit der Beschränkung auf Java-Software.

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Wie auf einem Computer sollten Nutzer Programme installieren und so ihr Betriebssystem nach eigenem Geschmack gestaltet können. Nokias Serie 60 wurde gut angenommen und etablierte sich schnell.

Aufgrund der Multimedia- und Office-Fähigkeiten war Nokia in der Lage, das System auf zahlreichen Mobiltelefonen zu installieren. Nokia-Smartphones E- und der N-Serie laufen sämtlich unter diesem Betriebssystem diesem System.

Trend zum Touchscreen verpasst

Nokia versäumtes es allerdings, das Symbian-System grundlegend zu überarbeiten, und verpasste den Anschluss an die mit dem Apple iPhone eingeleiteten Touchscreen-Trend. Erst auf dem 2008 eingeführten Nokia 5800 XpressMusic lief mit Symbian S60 5th Edition - auch Symbian Touch Edition genannt - eine Touchscreen-kompatible Symbian-Variante.

Inzwischen hat Nokia die Weiterentwicklung des Betriebssystems an die Symbian-Foundation ausgelagert. Hier werkeln auch andere Handy-Hersteller wie Samsung und Sony Ericsson an einer neuen Symbian-Version.

Natürlich leiden auch die Symbian-Smartphones dieser beiden Hersteller an den gleichen Schwächen wie die Nokia-Geräte. Welche Schwachpunkte Symbian in der aktuellen Version aufweist und welche Verbesserungen neue Versionen aufweisen sollten, analysieren wir im Folgenden.

Verschachtelte Menüstruktur

Wer zum ersten Mal ein Symbian-Handy auspackt und das Hauptmenü aufruft, freut sich über eine logische Anordnung. Aber: In den Untermenüs sieht es vollkommen anders aus. Hier dominieren lange Listen. Auf den zweiten Blick fallen dann die Unzulänglichkeiten auf.

Warum liegt der Kalender im Hauptmenü und nicht im Organizer? Wieso installieren die Hersteller die Office-Software unter Organizer, obwohl es einen Extra-Ordner für Programme gibt? Diese kleineren Probleme kann der Nutzer noch schnell beheben: Einfach im Hauptmenü auf «Optionen» klicken und dort «Ordnen» auswählen. Schon können sämtliche Symbole neu angeordnet oder verschoben werden

Einige Menüeinträge lassen sich allerdings nicht editieren. Dazu gehören zum Beispiel die unter «Einstellungen» abgelegten Menüpunkte. Hier müssen die Symbian-Nutzer mit der Unordnung leben. Kleines Beispiel gefällig? Unter «Persönliche Einstellungen» liegen zum Beispiel die Display-Designs oder der Standby-Modus, während sich die Display-Helligkeit nur über den übergeordneten Menüpunkt «Telefoneinstellungen» regeln lässt.

… auch in Anwendungen

Ein ähnliches Chaos herrscht in einigen Standardprogrammen des Symbian-Systems, etwa im Web-Browser. Der Symbian-Browser startet mit einer voreingestellten Seite, die meist Hersteller-spezifisch ist. Bei Nokia-Geräten ist das einfach eine Liste mit Links, Sony Ericsson blendet Schnellzugriffe zu eigenen Anwendungen, zur PlayNow-Arena und zu Google ein.

Ausserhalb dieser Startseiten müssen die Nutzer eine neue Seite über «Optionen – Gehe zu – Neue Webseite» aufrufen, auch der Vollbildmodus lässt sich bei vielen Symbian-Geräten nur über «Optionen – Anzeigeoptionen – Vollbild» aktivieren. Manche Smartphone-Hersteller haben mittlerweile nachgebessert und eigene Schaltflächen dafür vorgesehen.

Wichtige Funktionen wie etwa die beliebten RSS-Feeds finden sich nur nach längerem Suchen. Symbian bringt zwar einen guten RSS-Reader mit, der versteckt sich aber im Internet-Programm unter «Optionen – Gehe zu – Webfeeds» - darauf muss man erst einmal kommen.

Langweilige Optik

Immer wieder kritisiert wird auch die Optik des Symbian-Systems. In der Touch-Edition hat Nokia hier zwar einige Verbesserungen vorgenommen, wirklich überzeugend sind diese aber nicht. Langeweile strahlt bei den meisten Symbian-Handys vor allem das Hauptmenü aus. Die Symbole wirken veraltet, die verwendete Schriftart wenig modern.

Unter «Einstellungen – Persönlich – Designs» können Nutzer zumindest die Hintergrundbilder, Bildschirmfarben und Anrufbilder personalisieren. Zur Verfügung stehen auf den meisten Handys mit Symbian S60 5th Edition mehrere vorinstallierte Designs, weitere lassen sich über die Shops der Hersteller (Nokia: Ovi Store, Sony Ericsson: PlayNow) hinzufügen.

Auch zahlreiche Freeware-Designs finden sich im Internet. Mit Programmen wie Carbide.ui lassen sich auch eigene Designs erstellen. Der «Theme Creator» von Sony Ericsson funktioniert dagegen (noch) nicht mit den Symbian-Modellen Satio, Vivaz und Vivaz Pro.

Nicht verändern lässt sich hingegen das Look & Feel in den verschiedenen Anwendungen. Der SMS-Eingabedialog wirkt äusserst altbacken, die Zeileneinteilung ist eigentlich überflüssig und macht vor allem bei grossen Displays mit einer hohen Auflösung keinen Sinn mehr. Zudem sind die Eingabefelder für Text viel zu klein gehalten. Beim Schreiben von Nachrichten im Querformat passen nur wenige Wörter ins Fenster.

Bedienkonzept schlecht an Touchscreens angepasst

In allen Menüs ist dem S60-System anzusehen, dass es eigentlich nicht für Nutzung per Touchscreen gedacht war. Den meisten Nutzern dürfte es in den Einstellungen oder im Dateimanager auffallen. Denn hier verlangt Symbian S60 5th Edition zum Aufrufen einer Funktionen einen Doppelklick. Das heisst: Mit einem Druck auf die jeweilige Option markieren Sie diese, mit einem weiteren öffnen Sie sie.

Das kann auf Dauer schon nerven, zumal das Konzept nicht durchgängig ist. Oft gilt das Prinzip nur für die verschiedenen Optionen (zum Beispiel im Einstellungsmenü), nicht aber für deren Unterpunkte. Auch nach längerer Nutzung eines Symbian-S60-Handys mit Touchscreen wartet der Nutzer oft auf eine Reaktion, bevor er feststellt, dass er nochmals drücken muss.

Die Menüstruktur kann ebenfalls ihre Vergangenheit nicht verleugnen. Meist fehlt ein Button zum Schliessen einer Anwendung, so dass Symbian S60 sie beim Verlassen nur in den Hintergrund legt, weiter ausführt und dadurch Speicher und Akku belastet. In den meisten Programmen muss der Nutzer zum echten Schliessen in die Optionen navigieren und dort «Beenden» beziehungsweise «Exit» auswählen. Da sich der Menüpunkt aber immer ganz unten in der Liste befindet, ist Scrollen nötig.

A propos Scrollen: Auch hier das Symbian einen gravierenden Nachteil gegenüber Betriebssystemen wie iPhone OS oder Android: Natives Scrollen, also etwa das Anstupsen einer Liste, wird nicht unterstützt. Nokia hat für seine Modelle Nokia 5800 XpressMusic und Nokia N97 immerhin durch ein Update für Verbesserungen gesorgt, die Sony-Ericsson-Geräte Satio, Vivaz und auch Vivaz Pro kommen aber ohne diese Funktion. Damit geht die Touchscreen-Bedienung deutlich schwieriger und langsamer von der Hand.

Zusatzsoftware installieren

Symbian-Systeme bringen in der Regel eine magere Softwareausstattung mit. Dies ist allerdings keine Lücke im Betriebssystem, sondern liegt an der Herstellern. Während Plattformen wie Android, iPhone und mittlerweile auch Windows Mobile allerdings AppStores zum Nachrüsten von Programmen mitbringen, muss Symbian passen.

Einen zentralen Ort zum Herunterladen von Programmen gibt es nicht. Nokia zum Beispiel hält im Ovi Store zahlreiche Anwendungen für Symbian bereit, Sony Ericsson nutzt dafür die PlayNow-Arena.

Symbian-Software findet sich vielmehr verteilt im World Wide Web. Fündig werden Nutzer zum Beispiel in Shops wie mobile2day oder auf vielen Seiten freier Programmierer, die ihre Programme zum Grossteil als Freeware veröffentlichen. Und hier spielt Symbian zugleich einen seiner grossen Vorteile aus: Die Nutzer können im Prinzip beliebige Software installieren, nur signiert muss das Programm sein.

Das Spieleangebot für Symbian ist ordentlich, da auch Java-Programme laufen – allerdings müssen die Programme für die Touchscreen-Bedienung optimiert sein. Sonst gibt es Probleme bei der Steuerung.

Ausblick: Das bringen neue Symbian-Versionen

Mitte Februar hat die Symbian-Foundation das Betriebssystem Symbian^3 vorgestellt. Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 sollen dann erste Geräte erscheinen. Mitglieder der Foundation sind übrigens neben Nokia, Samsung und Sony Ericsson auch viele andere Unternehmen der Mobilfunkbranche. Los geht es mit visuellen Neuerungen: Mehrere Startbildschirme, schickerer Musikplayer und verbessertes Multitasking sind nur einige.

Aber auch technisch soll Symbian^3 Verbesserungen bringen. Dazu gehören die Wiedergabe von HD-Videos über HDMI, ein optimiertes Speichermanagement sowie schnellere 3D-Anwendungen. Ein wichtiges Argument für Symbian^3 ist auch Multitouch.

Ebenfalls fest eingeplant ist bereits die übernächste Version, also Symbian^4. Hier soll noch mehr Wert auf konfigurierbare Startbildschirme mit Widgets gelegt werden. Wichtig wird auf jeden Fall sein, die langen Listen- und Optionenmenüs endlich durch aussagekräftige Symbole zu ersetzen und damit für mehr Nutzerfreundlichkeit zu sorgen. Symbian^3 geht hier, betrachtet man die ersten Bilder, noch nicht weit genug.

(Johannes Michel/teltarif.ch)

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