Spam-Irrtum legt 50'000 E-Mailadressen lahm
publiziert: Samstag, 13. Okt 2007 / 09:24 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Okt 2007 / 21:12 Uhr

Wien - Ein Irrtum der Anti-Spam-Organisation Spamhaus.org hat am vergangenen Wochenende 50'000 E-Mail-Adressen lahm gelegt. Der betroffene Webhoster emerion, dessen Mailserver auf die vielerorts verwendete Blacklist der Spamjäger gesetzt wurde, zeigt sich über die Vorgangsweise empört.

«Stopp Spam» - aber zu welchem Preis?
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«Es kann einfach nicht sein, dass durch eine derart grundlose Sperre der Mailverkehr aller Kunden beeinträchtigt wird», kritisiert Geschäftsführer Bernd Hilmar.

Auf die Blacklist geriet emerion, weil eine der 50'000 verwalteten E-Mailadressen von einem externen Spammer missbräuchlich als «Reply to»-Adresse angegeben wurde.

Die besagte E-Mailadresse gehört in Wahrheit aber einem Kunden, der emerion bekannt ist, und wurde zudem noch gar nicht aktiviert. «Die Recherche von Spamhaus muss einfach zuverlässiger sein, zumal man in so einem Fall völlig auf den 'Good Will' der Organisation angewiesen ist. Und treffen kann es, wie man bereits in der Vergangenheit gesehen hat, im Prinzip jeden», sagt Hilmar.

Domainverwaltung auf der Blacklist

Dass auch grosse Hoster beim unerbittlichen Kampf der Spamjäger bisweilen zwischen die Fronten geraten, beweist der aufsehenerregende Vorfall im Juni dieses Jahres, als die österreichische Domainverwaltung sich plötzlich auf der Spam-Blacklist wiederfand.

«Da es in diesem Fall keine klagbare Adresse gibt, gestaltet sich das rechtliche Vorgehen wie etwas das Zustellen einer einstweiligen Verfügung als äusserst schwierig bis unmöglich», erklärt nic.at-Geschäftsführer Richard Wein.

Bis zum heutigen Tag ist die Domainverwaltung als IP-Adresse angeführt, die Spam- und Phishingaktivitäten unterstützt.

Spamhaus verliert Kunden

Ob Spamhaus.org, dessen Blacklist von beinahe allen massgeblichen Mailserver-Betreibern zum Aussortieren von Spam verwendet wird, seine Machtposition langfristig sichern kann, scheint angesichts der sich häufenden Zwischenfälle allerdings fraglich.

Wie gut informierte Insiderkreise berichten, werden zwei der grössten deutschen Provider ihre Verträge mit Spamhaus kündigen und fortan auf die umstrittene Blacklist verzichten.

«Das Ansinnen von Spamhaus, gegen Spam und Phishing aufzutreten, ist natürlich vernünftig. Problematisch ist allerdings, dass es der Organisation egal ist, ob es dabei auch Unschuldige erwischt», fasst Wein die Problematik zusammen.

(rr/pte)

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