Sci-Fi Kommunikations-Geräte werden wahr
publiziert: Donnerstag, 20. Mrz 2003 / 11:05 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 20. Mrz 2003 / 11:41 Uhr

Den eigenen Radiosender auf der Stereoanlage kreieren, Desktop-Computer mit einem intelligenten Bildschirm bei schönem Wetter mit in den Garten nehmen - keine Zukunftsmusik mehr.

Ein Leben vor dem Fernseher?
Ein Leben vor dem Fernseher?
"Viele Inseln, die wir heute schon haben, werden mit drahtloser Funktechnologie WLAN zu einem grossen Festland zusammengeführt", erläutert Philips-Sprecher Klaus Petri das neue vernetzte Heim, wie es heute schon Wirklichkeit werden kann.

"Die Unterhaltungselektronik-Insel mit Fernseher, Stereo-Anlage und DVD-Player ist meist im Wohnzimmer, während der PC im Arbeitszimmer steht - aber darauf sind die digitalen Fotos und die MP3-Musik", erläutert Petri. Mit einem digitalen drahtlosen Medienempfänger, der einem flachen DVD-Player gleicht, können "Medienbrüche" überwunden werden.

Waschmaschine nicht vom Fernseher bedienen

Das Gerät kostet zurzeit ca. 730 Franken. Philips zeigte die Version des vernetzten Wohnzimmers auf der Computermesse CeBIT in Hannover.

"Man kann das natürlich weiterspinnen, hin zum selbst denkenden Kühlschrank und der totalen Vernetzung aller Geräte drinnen und draussen." Allerdings müsse darüber nachgedacht werden, ob alles sein muss, was sein kann. "Ich weiss nicht, ob ich die Waschmaschine unbedingt vom Fernseher aus bedienen muss", sagt Petri.

Chips in Kleindung

Sinnvoll hingegen findet der Philips-Sprecher, kleine Chips in Kleidungsstücke einzubauen, die dem Hersteller bei der Produktionsplanung und Logistik helfen.

Andererseits funken sie zur Waschmaschine, wie heiss das Designer-Shirt gewaschen werden darf. "Um aber die Angst vor dem Big Brother gar nicht erst aufkommen zu lassen: Niemand SOLLTE von jedem beliebigen Satelliten aufgespürt werden können.

Neben Philips zeigt auch LG Electronics einen Prototypen des vernetzten Heims. Über die Menüsteuerung auf einem riesigen Flachbildschirm können sämtliche HiFi-Geräte, das Licht, die Temperatur und auch die Mikrowelle bedient werden.

Allerdings gibt es die Technik zurzeit nur auf dem koreanischen Markt. Zudem hat es einen entscheidenden Nachteil: alle Geräte, die an das System angeschlossen werden sollen, müssen von LG Electronics sein. "Geräte von unterschiedlichen Herstellern können wir noch nicht zusammenschliessen", gesteht Sprecher Kyong Woo Lee.

Sport vor dem Fernseher

Nicht nur beim abendlichen Füsse-Hochlegen hilft die intelligente Vernetzung des Hauses. Auch zum Sport muss künftig niemand mehr nach draussen. Mit dem "Ping Pong TV Game" der chinesischen Firma Shenzhen Topband Electronics kann das Tischtennis-Training vor dem Fernseher im Wohnzimmer absolviert werden.

Die Schläger sind aus Plastik, unter der Beschichtung ist ein Sensor verborgen. Er überträgt Richtung und Geschwindigkeit des nicht vorhandenen Balls, den der Spieler vor dem Fernseher virtuell spielt. Auf dem TV-Bildschirm sieht er seinen Gegner, der an eine Comicfigur erinnert - beiden wird vom ebenfalls gezeichneten Publikum zugejubelt.

"Entscheidend ist doch, dass die Digitaltechnik den Menschen nicht verschwinden lässt, sondern ihn intelligent unterstützt", betont Philips-Sprecher Petri. Die neuen Techniken sollten nicht nur die Kids oder Technikfreaks ansprechen, sondern jedem das Leben einfacher machen. "Die ersten Vorteile sehen wir doch bei der WLAN-Technologie schon: Es geht ohne Kabelsalat."

(Marie-Anne Winter/sda)

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