SMS als Chance für Festnetz-Betreiber
publiziert: Donnerstag, 3. Apr 2003 / 16:16 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 3. Apr 2003 / 16:55 Uhr

Frankfurt am Main - Obwohl auf dem Telekommunikationsmarkt die Umsätze stagnieren, erfreut sich die SMS weiterhin eines Booms: Im Gegensatz zu Mobil- und Festnetz-Sprachdiensten ist der SMS-Markt in den letzten fünf Jahren exponentiell gewachsen.

SMS ans Festnetz: Noch nicht alltäglich.
SMS ans Festnetz: Noch nicht alltäglich.
Gemäß der GSM Association wurden im Jahr 2002 weltweit an die 366 Milliarden Kurznachrichten verschickt. Bei einem durchschnittlichen Preis von 0,10 US-Dollar (0,09 Euro) pro SMS beläuft sich der Umsatz für 2002 auf 36 Milliarden US-Dollar (33,44 Milliarden Euro). Und das bei minimalem Marketing-Aufwand und relativ geringen Implementierungskosten.

Inzwischen versuchen auch die Festnetzbetreiber, die unter sinkenden Umsätzen und rückläufigen Kundenzahlen leiden, diesen Kuchen anzuschneiden. Für die Festnetzbetreiber könnte es sich durchaus lohnen, sich an der Funktionalität von Mobilfunkdiensten zu orientieren und ihr Angebot entsprechend auszubauen. Zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. In ihrer neuen Analyse zum Weltmarkt für Festnetz-SMS prognostiziert sie den Netzbetreibern erhebliche Wachstumschancen, sofern es ihnen gelingt, SMS zur Standardanwendung auch im Festnetz zu machen.

"Mit kontrollierten Investitionen sollten die Festnetzbetreiber in der Lage sein, ihre Netze SMS-fähig zu machen. Und selbst wenn sich damit nur ein Bruchteil des gesamten SMS-Volumens generieren lässt, wird sich die Entscheidung zur Aufnahme dieses Dienstes innerhalb kurzer Zeit auszahlen," meint Nathan Budd, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan.

SMS ist im Mobilfunk fest etabliert

Zusätzlichen Aufschluss über das Potenzial von Festnetz-SMS gibt die britische Regulierungsbehörde für Telekommunikation. Laut Oftel schicken 70 Prozent aller Mobilfunknutzer lieber Textnachrichten, statt zu telefonieren; 36 Prozent "simsen" regelmäßig. Außerdem gaben 41 Prozent aller Handybesitzer an, eher Kurznachrichten zu verschicken als von ihrem Festnetz-Anschluss zu Hause aus zu telefonieren. Immerhin 17 Prozent senden häufig von zu Hause aus SMS – eine Erfolg versprechende Zahl für zukünftige Anbieter von Festnetz-SMS.

Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass der Mobilfunk-SMS-Markt bisher so schnell gewachsen ist, weil die Zuwachsraten bei den Handybesitzern ebenfalls rasant angestiegen sind. Das hohe Niveau bei der SMS-Nutzung hängt mit der an der hohen Penetrationsrate beim Handy-Besitz zusammen, die in manchen europäischen Ländern nahezu 80 Prozent beträgt. Angesichts von Milliarden versendeter SMS pro Monat in Europa und Asien gehen die Netzbetreiber mittlerweile zu Mengenrabatten in Form von Paketangeboten über. Das Ergebnis ist ein gut etablierter, starker Markt, der einen Siegeszug von Festnetz-SMS sicherlich erschweren wird. Das hängt laut Frost & Sullivan auch damit zusammen, dass der Festnetz-SMS-Dienst zunächst nicht als Komplementärtechnologie, sondern als Ersatz und damit als Konkurrenz zu mobilen SMS gesehen werden wird. In diesem Zusammenhang warnt die Analyse davor, dass mangelnde Kooperation von Seiten der Mobilnetzbetreiber den Festnetz-SMS-Markt im Keim ersticken könnte. Im Mobilfunksektor gibt es nach Angaben von Frost & Sullivan traditionell kartellartige Interoperabilitätsvereinbarungen, die es anderen Akteuren sehr schwer machen, in der Branche Fuß zu fassen. Hier sei wichtig, das Interesse an einer Zusammenarbeit zu wecken.

Erfolg im Festnetz hängt an der Zielgruppenansprache

"Daneben hängt der Erfolg von Festnetz-SMS maßgeblich davon ab, ob es den Anbietern gelingt, die notwendigen technischen Voraussetzungen zu schaffen," so Budd. "Es ist zwar jetzt schon möglich, Kurznachrichten aus dem oder ins Mobilnetz zu schicken oder ins Festnetz gesendete SMS mithilfe von Text-to-Speech-Systemen in Sprachnachrichten umzuwandeln. Richtig wachsen wird der Markt aber erst dann, wenn die Festnetz-Nutzer geeignete Handsets verwenden." Gleichzeitig sei zu berücksichtigen, dass der SMS-Dienst momentan zu 94 Prozent für private Zwecke genutzt wird.

Wenn sich mit Festnetz-SMS möglicherweise auch nicht die gleichen Umsätze erwirtschaften lassen wie mit Mobilfunk-SMS, so gäbe es doch Marktnischen, in denen sich ein Engagement durchaus lohnen könnte. So machen zum Beispiel Handynutzer im fortgeschrittenen Alter bislang kaum Gebrauch von SMS-Diensten. Im Zweifelsfall greifen sie lieber zum vertrauten Festnetz-Telefon. Damit bilden laut Analyse eine ernst zu nehmende potenzielle Zielgruppe für Festnetz-SMS. Wer in diesem Sektor erfolgreich sein will, muss allerdings viel Flexibilität hinsichtlich der spezifischen Kundenbedürfnisse aufbringen. Als weitere mögliche Zielgruppe nennt Frost & Sullivan Eltern, die ihre Kinder an SMS heranführen wollen, ohne gleich ein Handy für sie kaufen zu wollen. "Obwohl es sich hier zunächst um Nischenanwendungen handelt, könnte die Einführung von SMS in diesen Bereichen den Weg ebnen für eine breite Akzeptanz dieser Dienste im Festnetz-Bereich," sagt Budd.

Erhebliches Potenzial birgt außerdem der Sektor für Geschäftsanwendungen. Hier spielen SMS bislang kaum eine Rolle. Frost & Sullivan empfiehlt den Festnetz-Betreibern, sich diesen lukrativen Bereich mithilfe interessanter Angebote zu erschließen und SMS als vom Netzbetreiber organisationsübergreifend verwaltete Anwendung zu vermarkten.

(Marie-Anne Winter/teltarif.ch)

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