Smartphone leichter anpassbar
Rooten: Das Maximum aus Android herausholen
publiziert: Sonntag, 25. Mrz 2012 / 17:08 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 25. Mrz 2012 / 17:27 Uhr
Wer sein Handy rootet, sollte sich gut vorbereiten.
Wer sein Handy rootet, sollte sich gut vorbereiten.

Rooten nennen Experten das Entsperren von Android-Smartphones. Nach diesem Schritt darf sich der Nutzer Superuser oder auch Root nennen. Er kann dann auch Apps installieren, die Admin-Rechte verlangen, und sich selbst mit alternativen Android-Versionen versorgen, beispielsweise wenn der Hersteller Updates vertrödelt oder ganz eingestellt hat.

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Weiterführende Links zur Meldung:

Freie und quelloffene Apps
Liste der FSFE.
f-droid.org

Befreien Sie Ihr Android!
Free Software Foundation Europe (FSFE).
fsfe.org

Unrevoked
Root-Tool (HTC).
unrevoked.com

SuperOneClick
Root-Tool.
shortfuse.org

Odin
Root-Tool (Samsung).
all4phones.de

Doch Vorsicht bleibt die Mutter der Porzellankiste: Wer sein Handy rootet oder gar ein alternatives Betriebssystem (OS) aufspielt, sollte sich gut vorbereiten und wissen, was er tut. Denn sonst drohen Schäden an der Hardware und Garantieverlust.

Was sind die Vorteile? Was die Nachteile?

Die Sicherheitsmerkmale aus der Linux-Welt gibt es auch auf Android-Smartphones. Das bedeutet, dass der Nutzer oder eine App nicht alle Aktionen ausführen kann. Das steigert einerseits die Sicherheit, hat aber auch bestimmte Einschränkungen zur Folge. So kann auf manche Systemdateien nicht zugegriffen werden. Auch die gesamte Hardware ist dem Zugriff des Anwenders entzogen. Auf ein gerootetes Android-Smartphone können Apps installiert werden, die zum Beispiel die CPU übertakten oder die Stromversorgung reduzieren. Der Nutzer kann also selbst entscheiden, ob er lieber mehr Leistung oder mehr Akkulaufzeit haben möchte. Allerdings vertragen nicht alle Bauteile sämtliche Einstellungen.

Ein weiterer Vorteil von Root-Rechten ist, dass vorinstallierte Apps deinstalliert werden können. Im Auslieferungszustand liefern einige Hersteller zusätzliche Apps mit, die zwar über Google Play, den ehemaligen Android Market, aktualisiert werden können, aber der Nutzer kann sie nicht löschen. Mit Root-Rechten ist aber die Entfernung solcher Apps kein Problem.

Aber auch die Nachteile dürfen nicht verschwiegen werden: Auf gerooteten Smartphone lauern versteckte Sicherheitslücken, da Apps möglicherweise unbemerkt auf persönliche und vertrauliche Daten zugreifen können. So sind Passwörter und ähnliche Daten nicht mehr vor dem Zugriff durch andere Apps geschützt. Die Entwickler der Android-Distribution CyanogenMod haben deswegen für zukünftige Versionen angekündigt, den Root-Zugriff nur noch optional anzubieten, da unerfahrene Nutzer möglicherweise nicht einschätzen können, welches Risiko der Root-Zugriff darstellen kann. CyanogenMod wird von mehr als einer Million Nutzern verwendet.

Daher sollte man Superuser-Rechte nicht wahllos an jede beliebige App weitergeben, die danach verlangt - und noch achtsamer sein als schon bei «normalen» Apps. Grundsätzlich gehen aber auch bei einem gerooteten System die Android-Sicherheitsfunktionen nicht verloren. Apps werden weiterhin abgekapselt in einer sogenannten Sandbox ausgeführt. Die Spezialrechte der Apps lassen sich mit der Anwendung Superuser überprüfen, zuteilen oder wieder entziehen.

Datensicherung vor Root

Bevor man sich zum Superuser aufschwingt, sollte der Nutzer Daten wie Apps, Kontakte oder Kurznachrichten sichern. Das funktioniert zum Beispiel mit My Phone Explorer, der auf Smartphone und Rechner installiert werden muss. Danach muss man sich zum Entsperren ein sogenanntes Root-Tool suchen. Eins für alle gibt es nicht: Die Programme sind meist auf bestimmte Smartphone-Modelle oder Hersteller zugeschnitten. Populäre Tools sind Unrevoked (HTC), Odin (Samsung), für das man noch einen zu seinem Gerät passenden Root-Kernel benötigt oder SuperOneClick (herstellerübergreifend).

Die Root-Tools müssen in der Regel auf SD-Karte kopiert und mit Hilfe eines Dateimanagers installiert werden. In den Optionen muss man vorher einstellen, dass App-Installationen aus fremden Quellen erlaubt sind. Es gibt aber auch Tools, die auf dem PC laufen. Hilfe, Tipps und Anleitungen finden sich in Foren wie Pocketpc.ch, Xda-Developers.com oder Androidadvices.com.

Superuser schlägt Datensammler

Superuser-Status und ein alternatives Betriebssystem taugen auch dazu, sich aus den Fängen von Datensammlern zu lösen. Denn viele Programme und Apps bedienen sich ungefragt und unbemerkt auf der Informationshalde Smartphone - und können von normalen Nutzern oft noch nicht einmal deinstalliert werden. Die Initiative Free Software Foundation Europe (FSFE) informiert dazu auf ihrer Webseite und hat auf f-droid.org eine Liste freier und quelloffener Apps zusammengestellt.

Apps, die nach dem Rooten genutzt werden können

Als Superuser kann man viele Einstellungen vornehmen, die man später vielleicht bereut. Um das Smartphone wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen zu können, sollte man persönliche Daten und Anwendungen ruhig noch einmal sichern, sobald es gerootet ist. Am besten mit Titanium Backup, denn die App kann im Gegensatz zu My Phone Explorer auch das eigentliche Betriebssystem und die Benutzereinstellungen sichern.

Android-Administratoren haben nun die Möglichkeit zum Beispiel mit dem File Expert auf alle Systemdateien zuzugreifen, auch auf solche, die sonst gesperrt sind. Und sie können weitere Apps installieren, die mit normalen Rechten nicht laufen. Mit der DroidWall nimmt man die Apps an die Leine und kontrolliert ihren Internetzugriff, mit LBE Privacy Guard auch andere Zugriffsrechte.

Mit Hilfe von SetCPU kann die CPU des Smartphones schneller oder langsamer getaktet werden, je nach dem, ob mehr Laufzeit oder höhere Perfomrance gewünscht ist.

Die SD Maid kehrt Datenschrott auf und entsorgt ihn, während die App Samba Filesharing es erlaubt, aus dem Heimnetzwerk auf Handy-Dateien wie Musik oder Fotos zuzugreifen. Mit Webkey holt man sich das Smartphone-Display zur Steuerung ganz bequem ins PC-Browserfenster. Neu starten lässt sich das Handy mit Quick Boot.

Custom-ROMs: Die Alternative zur Firmware vom Hersteller

Für manche Android-Handys gibt es nie oder erst sehr spät ein Betriebssystem-Update, selbst wenn die installierte Version mit Fehlern nervt oder aktuellere Android-Versionen tolle neue Funktionen brächten. Das liegt auch daran, dass es keine Android-Version gibt, die einfach auf allen Handys läuft. Die Hersteller müssen neue Versionen mit gerätespezifischen Treibern anreichern und verpassen dem OS auch gerne noch eine eigene Oberfläche. Das kostet Zeit.

Deshalb kann man auch nicht jedes beliebige Android-Betriebssystem installieren, sondern muss sich ein sogenanntes Custom-ROM suchen, das für sein Telefon massgeschneidert ist. «Nicht ganz einfach, aber besser, als sich über Bugs und fehlende Funktionen zu ärgern», lautet das Fazit eines Custom-ROM-Tests der Zeitschrift «c't».

Custom-ROMs sind nicht etwa illegal. Sie basieren auf dem von Google offengelegten Quelltext der jeweiligen Android-Version. Google-Apps müssen aber meist nachinstalliert werden. Alternative OS gibt es wie Sand am Meer. Um das passende zu finden, sucht man am besten in Android-Foren. «Die Qualität der Custom-ROMs variiert von unbrauchbar bis grossartig», warnt die «c't». Deshalb gilt es, die Bewertungen und Reaktionen in den Diskussionforen genau zu studieren. Bekannte und etablierte Costum-ROMs mit Versionen für zahlreiche Geräte sind CyanogenMod oder MIUI. In manchen Foren werden auch modifizierte Hersteller-ROMs angeboten, die um mitgelieferte Apps erleichtert sind und verschiedene Optimierungen enthalten.

Werden Custom-ROMs aufgespielt, erlischt die Herstellergarantie. Wer sich ans sogenannte Flashen wagt, sollte also genau wissen, was er tut. «Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, sein Gerät in einen teuren Briefbeschwerer zu verwandeln relativ gering», relativiert die «c't». Damit das Aufspielen nicht unterbrochen wird, sollte der Akku voll geladen oder das Ladegerät angeschlossen sein. Ausserdem darf eine USB-Verbindung zum Rechner keinesfalls getrennt werden. Diese Hinweise gelten auch fürs Rooten.

Custom-ROMs installieren

Um ein alternatives OS aufs Smartphone zu bringen, braucht es wieder spezielle Programme. Für Samsung-Geräte erfüllt wieder das Programm Odin diese Aufgabe. Ansonsten eignet sich zum Beispiel oft der ROM Manager. Er installiert das Tool ClockworkMOD Recovery mit, das nötig ist, um Custom-ROMS von der SD-Karte installieren zu können.

Ausserdem kann der Manager zur Sicherheit auch ein Systemabbild erstellen, was unbedingt empfehlenswert ist. Um ganz sicher zu gehen, kann man sowohl die Titanium-Sicherung als auch das Clockwork-Backup auf den PC kopieren. Es gibt aber auch Smartphones, die die Hersteller so abschotten, dass es für Laien kaum möglich ist «einzubrechen». Im Zweifel hilft auch hier ein Blick in Foren.

Zum Flashen mit dem ROM Manager muss das heruntergeladene Custom-ROM, eine ZIP-Datei, auf der SD-Karte gespeichert werden. Vor dem Start des Flashens mit «install zip from sdcard» sollte die Aktion «wipe cache partition» ausgeführt werden. Nach der Installation wird das Handy mit «reboot system now» neu gestartet. War das Einspielen des Custom-ROMs erfolgreich, kann man mit Titanium seine Daten und Apps zurück aufs Telefon bringen.

(Hans-Georg Kluge/teltarif.ch)

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