Wer kein WhatsApp installiert, bekommt davon nichts mit
Problem: Neue Rufnummer hat bereits einen WhatsApp-Account
publiziert: Montag, 6. Mai 2013 / 08:38 Uhr / aktualisiert: Montag, 6. Mai 2013 / 09:48 Uhr
Was passiert wenn ein Nutzer seine Rufnummer ändert? (Archivbild)
Was passiert wenn ein Nutzer seine Rufnummer ändert? (Archivbild)

WhatsApp & Co. haben für viele Smartphone-Nutzer die SMS ersetzt. Dabei überzeugt die Einfachheit der Einrichtung. Die Messenger sind an die Rufnummer gebunden und erfordern meist kein weiteres Passwort. Doch was passiert, wenn ein Nutzer die Rufnummer ändert?

4 Meldungen im Zusammenhang
Ein Leser von teltarif.de schreibt uns, er habe eine Bekannte in seinen WhatsApp-Kontakten entdeckt, die WhatsApp gar nicht nutze. Des Rätsels Lösung: Sie hatte eine neue Rufnummer erhalten und der frühere Inhaber hatte seine WhatsApp-Installation nicht auf seine neue Rufnummer umgeschaltet. Wir haben nachgeforscht.

WhatsApp-Account an Rufnummer und Smartphone gebunden

Nach der Installation der App wird der Nutzer aufgefordert, seinen WhatsApp-Account zu verifizieren. Dabei wird gleichzeitig der Account einer Rufnummer und dem Smartphone zugeordnet und mit einer SMS bestätigt. Nach dieser einmaligen Bestätigung wird nicht mehr überprüft, ob die aktuelle Rufnummer mit der verifizierten Nummer übereinstimmt. Am Apple iPhone erscheint nach dem Wechseln der SIM-Karte ein entsprechender Hinweis. Es ist aber problemlos möglich, diesen zu ignorieren und WhatsApp mit der früheren Handynummer weiter zu nutzen. Unter Android bleibt die von WhatsApp genutzte Nummer automatisch immer gleich, solange die App nicht deinstalliert und neu installiert wird.

Das kann Folgen haben: Wer eine neue Rufnummer erhält, kann sich nicht sicher sein, dass der frühere Inhaber der Nummer seinen WhatsApp-Account gelöscht hat - wie im Fall unseres Lesers geschehen. Für Freunde ist nicht ersichtlich, dass hinter dem neu hinzugefügten Kontakt in der WhatsApp-Kontakt­liste ein anderer Nutzer steckt. Das liegt daran, dass WhatsApp die Namen der Kontaktliste nur auf dem Smartphone den Nummern zuordnet und nicht über die Server festlegt.

Pikant: Wer WhatsApp nicht nutzt, erfährt davon möglicherweise nichts. Denn: Der von einem früheren Nummern-Inhaber genutzte Account wird nur gelöscht, wenn der alte Nutzer selbst seinen Account deaktiviert oder WhatsApp mit seiner neuen Rufnummer aktiviert. Inaktive Accounts werden nach einem gewissen Zeitraum automatisch gelöscht. Allerdings war es in einem Test der teltarif-Redaktion auch möglich, Nachrichten an einen deaktivierten Account zu verschicken. Diese Mitteilungen kamen nach der Reaktivierung des Zugangs auch an.

Auch wenn der neue Inhaber der Nummer keinen eigenen WhatsApp-Account einrichtet, bleibt der möglicherweise vorhandene alte Account wie gewohnt erreichbar. Freunde des neuen Inhabers, die glauben, in ihrer WhatsApp-Kontaktliste den Bekannten zu sehen, werden so in die Irre geführt.

Presseanfrage bei WhatsApp: Keine Antwort

Wir haben bei WhatsApp nachgefragt, was der Anbieter in einem solchen Fall unternimmt. Wir haben aber keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten. Dieses Muster zieht sich wie ein roter Faden durch die Kommunikation des Anbieters mit Medien und der Presse. Lediglich zuletzt hatte sich ein Sprecher zu einer möglichen Übernahme durch Google geäussert. Bei Sicher­heits­themen gibt sich WhatsApp aber verschlossen. Auch die Kollegen der c't haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Die Lösung: Selbst einen neuen Account einrichten

Die einfachste Lösung ist es, selbst einen WhatsApp-Account mit der neuen Nummer einzurichten. Da WhatsApp nur auf einem Gerät gleich­zeitig ange­meldet sein kann, muss der Nutzer auf dem anderen Gerät den Account neu veri­fizieren, was natur­gemäss nicht klappen kann, da die Bestätigungs-SMS ja an den neuen Inhaber der Nummer geschickt würde. Nun kann der Account mit der Nummer wieder bedenkenlos gelöscht werden. Nachteil an dieser Lösung ist, dass zunächst WhatsApp installiert werden muss und entsprechend auch Telefon­buch­daten an den Anbieter geschickt werden. Ausserdem greift nicht jeder Neukunde zu einem Smartphone.

WhatsApp sichert in seinen Geschäfts­bedingungen zwar zu, Nummern von Nicht-Nutzern nur verschlüsselt zu speichern, aber ein Kontaktprofil kann damit dennoch erstellt werden - nicht jedem gefällt das. Wer also aus Datenschutz-Erwägungen einen solchen Account schliessen möchte, sollte dies nur mit einem neu aufgesetzten Smartphone erledigen, bevor Kontaktdaten synchronisiert wurden - ein extra dafür angelegter Google-Account könnte im Falle von Android dafür bereits ausreichen.

Nicht nur WhatsApp: Auch Viber ist betroffen

Auch andere Smartphone-Messenger nutzen die Rufnummer zur Verifizierung. Wir haben deswegen mit einigen anderen Messengern getestet, ob der Account weiterhin nutzbar ist, nachdem wir die SIM-Karte getauscht hatten und somit unter einer anderen Nummer erreichbar waren. Mangels einer neu vergebenen Rufnummer mussten wir uns für diesen Test mit einem SIM-Karten­tausch begnügen - das Problem wird damit aber wohl hinreichend nachgebildet.

Im Falle des Dienstes Viber waren wir weiterhin unter der alten Rufnummer erreichbar, so dass wir mit einem einmal eingerichteten Account weiter chatten können. Viber weist uns auf Anfrage daraufhin, Viber könne nicht feststellen, ob die Rufnummern immer noch über­einstimmen. Ein Account werde aber nach 45 Tagen Inaktivität gelöscht, ausserdem empfehle man seinen Kunden, den Viber-Account zu deaktivieren, wenn die Rufnummer gewechselt wird. Ansonsten bestätigte uns der Anbieter, dass das Szenario unseres Lesers wohl auch bei Viber passieren könnte.

Vermutlich so gut wie alle Messenger betroffen

Wir haben ausserdem die Messenger KakaoTalk und forfone getestet. Im Falle von KakaoTalk erhielten wir zwar eine Kakao-ID, dennoch waren wir auch ohne SIM-Karte und auch mit einer anderen Rufnummer in der Lage, Nachrichten zu empfangen und zu verschicken. Auch der Messenger forfone war in unserem Test von diesem Problem betroffen.

Auch hier haben wir den Anbieter angefragt und eine ausführliche Antwort erhalten: Das hier skizzierte Szenario trifft prinzipiell auch auf einen forfone-Account zu. Eine forfone-Sprecherin erklärte gegenüber teltarif.de aber, dass kein ent­sprechender Fall bekannt sei. Dennoch werde sich die hauseigene Entwicklungs­abteilung das Problem ansehen. forfone gibt an, dass es nicht in jedem Fall möglich sei, die Rufnummer zuverlässig herauszufinden - dies sei von Smartphone zu Smartphone unterschiedlich. Ähnliches war auch von Viber zu hören. forfone stellt darüber hinaus fest, dass die meisten Nutzer Rufnummer und Smartphone gleich­zeitig wechseln. Wird beides zur selben Zeit gewechselt, kann das hier beschriebene Problem nicht auftreten, da der Nutzer den Account mit der alten Rufnummer nicht ohne weiteres erneut aktivieren kann.

Datenschutz: Rechtlich keine Handhabe

Eine Sprecherin des Bundesbeauftragten für Datenschutz, Peter Schaar, sieht keine Handhabe, dieses Verhalten der Smartphone-Messenger zu ändern. Die erneute Vergabe einer Rufnummer durch die Provider sei nicht zu beanstanden. Eine gesetzliche Pflicht, die Rufnummer erneut zu verifizieren, bestehe für die Anbieter der Messenger nicht. Eine Änderung des Verifikations­verfahrens zu erreichen, sei daher kaum möglich.

Fazit: Keine allgemeingültige Lösung des Problems bekannt

Für Kunden ist es äusserst ärgerlich, wenn ein anderer Nutzer mit der eigenen Rufnummer in einem Messenger-Netzwerk unterwegs ist - zumal der Kunde es nicht einmal bemerkt. Allerdings ist mit dieser Methode wohl kaum ein geordneter Angriff auf bestimmte Personen möglich, da die Provider die Nummern nach dem Zufalls­prinzip weitergeben.

Dennoch: Wahrscheinlich betrifft das hier skizzierte Problem alle verbreiteten Smartphone-Messenger. Für die wenigsten Kunden dürfte dabei praktikabel sein, einen eventuell vorhandenen alten Account zu deaktivieren, indem sie einen neuen Account einrichten. Zwar ist WhatsApp der Messenger mit der grössten Verbreitung, aber es gibt unzählige weitere - einige davon stellen wir Ihnen auf unserer Smartphone-Messenger-Infoseite vor. Eine umfassende Lösung dieses Problems ist zurzeit nicht bekannt. Ob die Anbieter reagieren werden, ist ebenso ungewiss. Das Verhalten kann aber auch erwünscht sein, wenn zum Beispiel auf einer Auslandsreise eine andere SIM-Karte verwendet wird. Ob die Anbieter also ein grosses Interesse daran haben, das Verfahren zu ändern, muss letztlich offen bleiben.






 

 

(Hans-Georg Kluge/Markus Weidner/teltarif.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese egadgets.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Trotz zweifelhafter Datensicherheit und umstrittener Übernahme durch Facebook - in der Schweiz ist und bleibt WhatsApp ... mehr lesen
93 Prozent der 15 bis 29-jährigen Smartphone-Besitzer kommunizieren über Messenger-Apps.
Auf Smartphones sei kein Platz für Werbeeinblendungen. mehr lesen
WhatsApp läuft nur auf Smartphones.
Das neue Abo-Modell soll nur neue Benutzer treffen.
WhatsApp als Abo-Modell fürs iPhone Die mobile Messaging-App WhatsApp fürs Apple ... mehr lesen
Die professionelle SMS-Businesslösung
aspsms.com
Katharinengasse 10
9000 St. Gallen
Verkaufen Sie uns Ihr Handy, Tablet oder iPod
Die professionelle und zeitgemässe Zweifaktor-Authentisierung
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
Zum passenden Video dank vitrivr.
«vitrivr»  Informatiker der Universität Basel haben ein Verfahren entwickelt, das eine Suche in Bild- und Videodatenbanken mithilfe von Handskizzen ermöglicht. 
eGadgets Ringe mit NFC-Technologie  Die von Cornetto entwickelten «Commitment Rings» verhindern, dass Pärchen getrennt voneinander Serien über das Streaming-Portal Netflix ...  
Die Commitment Rings werden via Smartphone-App registriert.
Geofencing machte es möglich  Boston - Abtreibungsgegner machen Frauen in US-Kliniken für Schwangerschaftsabbrüche neuerdings dank eines Location-Features der Agentur Copley Advertising direkt ausfindig und bombardieren sie mit entsprechenden Botschaften.  
Die App sucht für den User nach der passenden Hilfskraft in der Umgebung. (Symbolbild)
In 50 Minuten zur passenden Putzfrau  Der junge Mailänder Hochschulabgänger Gabriele Di Bella hat mit «Il mio Supereroe» («Mein ...  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Nur ein ziemlicher Trottel kann annehmen, dass es etwas mit Zivilcourage zu hat, wenn er an einer ... Fr, 17.06.16 12:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Meine Anwälte sagen: "Aus einem Esel wird wird in tausend Jahren kein Golfisch, ... Di, 14.06.16 20:10
  • jorian aus Dulliken 1754
    Saudumm? Die Frage ist nur WER! Sie haben mich verleumdet. Sie haben übel über mich geredet! (Dies ... Di, 14.06.16 03:57
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Wer Kritik als persöliche Beleidigung empfindet, wer Kritik als mundtot-machen ... So, 12.06.16 12:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1777
    Sehr, sehr traurig... Für den Jorian ist eine Redaktion eine Anstalt, die Zenzur immer dann ... Mo, 06.06.16 21:11
  • mcdale aus St. Gallen 106
    Pech aber auch Mit den Freidenkern wollte man unabhängig erscheinen, vergass aber ... Fr, 03.06.16 11:36
  • Pacino aus Brittnau 730
    Gute, unzensierte Plattform . . . . . . es ist echt schade darum. Klar wurden gelegentlich Blogger auch ... Fr, 03.06.16 09:19
  • jorian aus Dulliken 1754
    Kein Mitleid! Die Redaktion hat zugeschaut, wie hier im Forum Menschen als Naz.is ... Fr, 03.06.16 02:59
Rund 50 Prozent der beleidigenden Tweets werden von Frauen gesendet. (Symbolbild)
DOSSIER Social Media Frauenfeindlichkeit auf Twitter bleibt ein Problem Auch wenn der Twitter-CEO Dick Costello ...
Der schnellste iPhone Reparaturservice der Schweiz.
iPhone SOS
Badhausstrasse 40
2503 Biel/Bienne
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 19°C 31°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 21°C 31°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft freundlich
St. Gallen 18°C 28°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Bern 21°C 30°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 20°C 30°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft bewölkt, etwas Regen
Genf 18°C 30°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft freundlich
Lugano 21°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten