Nokia E6 mit Symbian Anna im Test
publiziert: Donnerstag, 23. Jun 2011 / 10:09 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Jun 2011 / 11:10 Uhr

Das Nokia E6, das jüngste Modell der Business- und Messaging-Smartphones der E-Serie von Nokia, hat das gleiche kompakte Blackberry-Format wie das Vorgängergerät Nokia E72. Als Betriebssystem kommt erstmals das neue Symbian Anna zum Einsatz.

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Mit Massen von 115,5 mal 59 mal 10,5 Millimeter ist es nur unwesentlich grösser, mit einem Gewicht von 133 Gramm nur unbedeutend schwerer als das E72. Die wichtigste Neuerungen des Nokia E6 gegenüber den bisherigen Smartphones der E-Serie betreffen die Bedienung: Es kann neben der Volltastatur auch über einen kapazitiven Touchscreen bedient werden und läuft als erstes Symbian-Smartphone unter der neuen Betriebssystemsversion Anna, mit der der finnische Handy-Hersteller die Zeit bis zum Launch seines ersten Smartphones mit Windows Phone 7 überbrücken möchte. Ob das Nokia E6 die Lücke füllen kann, haben wir im Test des neuen Handys herausgefunden.

Starre Ausrichtung auf das Landscape-Format des Displays

Vollständige mechanische QWERTZ-Tastatur, Zugriff auf Firmennnetzwerk und Firmen-Mails, umfassende Organizer-Funktionen sowie Office-Applikationen zum Lesen und Bearbeiten von Texten sind die Anforderungen an ein Business-Smartphone. Von einem Messaging-Smartphone wird erwartet, dass es aus verschiedenen Anwendungen heraus den einfachen Blick auf und den schnellen Versand von Mitteilungen erlaubt - beispielsweise per SMS, per E-Mail, per mobilem Chat oder über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Das Nokia E6 bietet fast das ganze Paket.

Die einzelnen, eng beieinander liegenden Tasten zeichnen sich durch knackige Druckpunkte aus, so dass sich die QWERTZ-Tastatur im Blackberry-Stil mit beiden Daumen gut bedienen lässt. Etliche Sonderzeichen können direkt, ohne Öffnen eines entsprechenden Auswahlmenüs, eingefügt werden. Die zusätzliche Möglichkeit, per Fingereingaben auf dem Touchscreen Menüpunkte auszuwählen oder Befehle zu bestätigen, erleichtert die Bedienung des Nokia E6. Gleichzeitig kann der 5-Wege-Navigationskey unterhalb des Displays auch zum Steuern der Maus genutzt werden.

Der TFT-LCD-Touchscreen des Nokia E6 stellt 16,7 Millionen Farben dar und misst in der Diagonale 6,2 Zentimeter bei einer Auflösung von 640 mal 480 Pixel. So lassen sich auch kleine Texte auf dem Display ablesen. Angepasst an das Display-Format werden die Inhalte durchweg im Landscape-Format angezeigt, wofür die eine oder andere App aus dem Ovi Store nicht ausgerichtet ist.

Umfangreiches Software-Paket für den Business-Anwender

Der installierte E-Mail-Client bietet den mobilen Zugriff auf mehrere persönliche Web-Mail-Konten und zeigt auch HTML-Mails und deren Anhänge an. Ein E-Mail-Webwidget kann auf der Startansicht des Nokia E6 platziert werden. Zudem unterstützt das neue Symbian-Smartphone Mail for Exchange. Zum Lesen, Bearbeiten oder Erstellen von Word-, Excel- oder Powerpoint-Dateien ist eine Vollversion des Software-Pakets QuickOffice installiert, mit dem ebenfalls aufgespielten Microsoft Communicator lassen sich zudem bei Bedarf Funktionen eines Office Communications Servers von Microsoft auf dem Nokia E6 nutzen, und Microsoft SharePoint ist über den Web-Browser abrufbar.

Persönliche Daten im Speicher lassen sich direkt im System verschlüsseln und mit einem Passwort sichern, alternativ schützt auch die Software Anti-Theft von F-Secure persönliche Daten auf dem Gerät sowie Browser-Sessions vor dem Zugriff durch Fremde. VPN-Programme ermöglichen den gesicherten Zugriff mit dem Nokia E6 von unterwegs auf Firmennetzwerke.

Vorinstalliert ist auch die App Nokia Social. Hierbei handelt es sich um eine Anwendung, die Aktivitäten aus den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook unter einer einheitlichen Oberfläche vereint. Ein Button, der zu den sozialen Netzwerken führt, erscheint auch auf den einzelnen Kontaktkarten im Adressbuch des Handys.

Das Nokia E6 kann als Massenspeicher eingesetzt werden und wird nach Verbinden des Handys über das (recht kurze) mitgelieferte USB-Kabel mit einem Windows-PC automatisch vom Windows Explorer als Wechseldatenträger erkannt. Im Massenspeicher-Modus kann aber nur auf Dateien, die auf der im Smartphone eingelegten Speicherkarte liegen, zugegriffen werden. Mediendateien lassen sich auch direkt über den Windows Media Player oder den auf dem PC installierten Nokia Player synchronisieren bzw. abspielen. In Verbindung mit der PC-Software Ovi Suite können zusätzlich noch persönliche Daten gesichert sowie Kontakte, Termine und Notizen mit Outlook abgeglichen werden, während Software-Updates over the Air durchgeführt werden können.

Die Neuerungen des Betriebssystems Symbian Anna

Symbian Anna, die neue Version des inzwischen von Nokia in die Hände von Accenture ausgelagerten Betriebssystems, ist etwas benutzerfreundlicher als die Vorgängerversion des Nokia-Betriebssystems. Die augenfälligste Neuerung von Symbian Anna gegenüber Symbian^3 sind die Icons im Hauptmenü. Deren Aussehen ist bei Symbian Anna vereinheitlicht worden, das Hauptmenü erscheint dadurch frischer und zugleich aufgeräumter. Alle im Menü vorhandenen Anwendungen lassen sich durch Verknüpfungen oder Widgets in einem beliebigen Ordner oder auf einem der bis zu fünf Homescreens ablegen.

Zudem gibt es viele Schnellzugriffsmöglichkeiten auf Systembereiche oder Anwendungen, die man auf den ersten Blick gar nicht entdeckt: Kurzes Tippen in die obere rechte Ecke der Startansicht öffnet beispielsweise direkt das Einstellungsmenü für Datenverbindungen. Wer etwa bei geöffnetem Homescreen anfängt, einen Namen zu tippen, bekommt gleich die passenden Kontakte vorgeschlagen. Und beim Nokia E6 kann man den vier Bedientasten unterhalb des Displays jeweils zwei verschiedene Funktionen für langes bzw. kurzes Drücken zuweisen.

Im Kalender des Symbian-Anna-Smartphones werden - anders als noch bei Symbian^3 - dem Nutzer in einer Ansicht das gesamte Monatsblatt sowie ein Terminfeld für den jeweils aktuellen Tag angezeigt. Beim Nokia E6 erscheint das Tagesterminfeld seitlich vom Monatsblatt. Zudem ist es mit dem neuen Symbian möglich, aus dem Kalender heraus Meeting-Anfragen stellen oder akzeptieren zu können oder die Dauer von Terminen durch einfaches Ziehen eines Pfeil-Buttons festzulegen. Ebenfalls für Business-Anwender wichtig: Im Adressbuch können sie über den Namen des Arbeitsgebers nach Kontakten suchen.

Die Symbian-Version Anna soll demnächst auch per Update auf die Nokia-Smartphones N8, E7, C7 und C6-01 kommen. Nach Angaben des Nokia-Chefs Stephen Elop können Nutzer von Smartphones, die unter dem Symbian-Betriebssystem laufen, noch mindestens bis zum Jahr 2016 mit Firmware-Updates, Weiterentwicklungen bei Apps sowie Unterstützung durch den Kundenservice rechnen. Noch in diesem Jahr soll laut Nokia ein weiteres Update für Symbian bereitgestellt werden, das unter anderem neue Startansichten und eine nochmals überarbeitete Benutzeroberfläche bringt.

Keine Performance-Probleme bei zielgruppengerechten Anwendungen

Die Leistung des Prozessors (ARM1176 mit Grafikbeschleuniger Broadcom BCM2727) des Nokia E6 von 680 MHz und 256 MB RAM wirken in Zeiten der ersten Dual-Core-Handys dürftig. Für die Ansprüche der Zielgruppe reicht die Performance des neuen Nokia-Smartphones jedoch aus, zudem scheinen die einzelnen Systemkomponenten gut aufeinander abgestimmt zu sein. Systemabstürze oder -hänger traten in unserem Test des Nokia E6 nicht auf.

An Bord des Nokia E6 sind zudem eine 8-Megapixel-Kamera mit Fixed-Fokus, Dual-LED-Leuchte und Videoaufnahme in HD-Qualität (720p im Format H.264 mit 25 Bildern pro Sekunde), eine zweite Kamera mit VGA-Auflösung für Videotelefonate, ein Medienplayer sowie ein UKW-Radio mit RDS-Unterstützung. Die mit der Kamera des Nokia E6 gemachten Aufnahmen sind rauscharm, wirken jedoch recht blass, der Sound des Musikplayers ist ausreichend gut. Zur Nutzung standortbezogener Dienste - beispielsweise des offline nutzbaren Navigations-Programms für Autofahrer und Fussgänger Ovi Karten - ist das Nokia E6 mit einem GPS-Empfänger (A-GPS) ausgerüstet.

Zum Aufbewahren von Fotos, Videos und Songs kann der 8 GB grosse interne Speicher des Handys mit 1 GB ROM per wechselbarer Speicherkarte im microSD-Format um bis zu 32 GB erweitert werden. Die Speicherkarte lässt sich bei laufendem Betrieb des Handys - also ohne vorheriges Herausnehmehn des Akkus - wechseln. Weitere Schnittstellen sind Bluetooth 3.0 mit A2DP fürs Streamen von Stereo-Sound auf Drahtlos-Headsets, ein Micro-USB-Anschluss mit «USB on the Go» fürs direkte Übertragen von Fotos oder Songs auf eine externe Festplatte sowie ein 3,5-Millimeter-AV-Klinkenanschluss für handelsübliche Kopfhörer und mit Unterstützung für TV-Out. Über einen HDMI-Port zum Übertragen von Bildern auf ein Fernsehgerät verfügt das Nokia E6 nicht, ebenso wenig unterstützt es DLNA - eigentlich unverständlich bei einem Gerät mit hochwertiger Kamera und vergleichsweise kleinem Display.

Mobiles Internet mit dem Browser des Nokia E6

Für mobile Datenübertragungen unterstützt das Quadband-GSM-Handy HSPA mit Datenübertragungsraten von bis zu 10,2 MBit/s im Downstream und bis zu 2 MBit/s im Upstream. Auch erlaubt das Gerät an Hotspots den Zugriff auf Internet-Dienste per WLAN n und dient mit der installierten Joikuspot-Software bei Bedarf selbst als Hotspot. Im Menü kann der Nutzer festlegen, dass sich das Smartphone beispielsweise nur in einem bekannten WLAN verbindet oder der Nutzer vor jedem Verbindungsaufbau über das Mobilfunknetz die möglicherweise kostenpflichtige Verbindung jeweils erst freigeben muss - das schont den Geldbeutel oder den gebuchten Daten-Tarif.

Der mit Symbian Anna ausgelieferte Browser für Smartphones bietet eine überarbeitete Oberfläche und unterstützt zu einem grossen Teil Flash-10-Elemente sowie erste Elemente von HTML5. Gab es auf Symbian^3-Smartphones wie dem Nokia N8 noch zwei unterschiedliche Leisten für Suchanfragen und Adresseingaben, wurden diese bei dem neuen Symbian-Browser auf dem Nokia E6 zu einer Leiste zusammengelegt. Der Nutzer kann hier sowohl eine Homepage-Adresse als auch ein Suchwort eingeben. Die Such- und Adressleiste muss zudem nicht mehr über einen speziellen Button aufgerufen werden, sondern lässt sich mit einer Fingerbewegung am oberen Bildschirmrand ein- oder ausblenden.

Im Browser-Fenster sind nur noch zwei Menü-Buttons fürs Zurückgehen sowie fürs Öffnen von Optionen wie Lesezeichen (Foto), Verlauf und Schliessen. Die bisherigen zwei Reihen an virtuellen Buttons wurden in den Browser-Optionen unter «Mehr» versteckt. Die Folge: Insgesamt kommt der Nutzer des Nokia E6 durch die Neuerungen beim mobilen Surfen mit dem Standard-Browser mit der Versionsnummer 7.3.1.28 mit weniger Klicks aus. In einen Geschwindigkeitsrausch verfällt man beim mobilen Surfen mit dem neuen Symbian-Standard-Browser aber immer noch nicht.

Die Sprachqualität des Nokia E6 ist sehr gut, störende Nebengeräusche oder Hintergrundrauschen werden fast vollständig unterdrückt. Zum Einstellen der Signaltöne und deren Lautstärke stehen wie üblich bei Nokia-Smartphones mehrere personalisierbare Profile bereit. Das Nokia E6 bietet nach Herstellerangaben eine beachtliche Sprechzeit von bis zu 14,8 Stunden im GSM-Betrieb oder bis zu 7,5 Stunden im UMTS-Modus. Weitere Richtwerte des Herstellers: Videowiedergabe bis zu neun Stunden, Videoaufnahme bis zu 4,7 Stunden, Musikwiedergabe im Offline-Modus bis zu 75 Stunden. In der Praxis werden diese theroretischen Maximalwerte natürlich nicht erreicht, jedoch hält der Li-Ionen-Akku mit 1500 mAh auch mal locker mehr als zwei Tage ohne Neuaufladung durch.

Sieht aus wie ein Blackberry, fühlt sich an wie ein Blackberry

Das Nokia E6 bietet alles, was das Herz eines Business-Anwenders oder Messaging-Fans begehrt. Beim Medienkonsum und Surfen im Internet kommt aber durch den kleinen Touchscreen des Smartphones nur wenig Spass auf - in dieser Hinsicht sieht das Nokia E6 eben nicht nur aus wie ein Blackberry-Handheld. Die neue Betriebssystemsversion Symbian Anna sorgt zwar für weniger Klicks bei der Bedienung des Handys als bei Symbian^3, das System erlangt dadurch aber immer noch nicht die Leichtigkeit eines iPhone oder eines Android-Smartphones. Im freien Handel ist das Nokia E6 für Preise ab etwa 435 Franken ohne Abo erhältlich.

(Björn Brodersen/teltarif.ch)

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