Navigationsmarkt: «200 Anbieter sind zuviel»
publiziert: Sonntag, 25. Nov 2007 / 08:25 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 25. Nov 2007 / 09:02 Uhr

Wien/Amsterdam - «Der Markt für Navigationsgeräte im KFZ-Bereich ist noch lange nicht gesättigt», sagt Stefan Kühn, Vice President Sales Central and Eastern Europe bei TomTom. Trotz der guten Aussichten und lukrativer Prognosen wird es dennoch langsam eng am Navigationsmarkt.

TomTom sieht in GPS-Handys keine Bedrohung für das Kerngeschäft.
TomTom sieht in GPS-Handys keine Bedrohung für das Kerngeschäft.
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Denn derzeit gibt es weltweit etwa 200 Anbieter, die PNDs vertreiben. «200 Anbieter sind jedenfalls zuviel für den Markt», so Kühn, der damit rechnet, dass es bald zur Konsolidierung kommen wird.

TomTom versucht indes sich vor allem durch Zusatzfunktionen von Mitbewerbern abzuheben. «Dabei konzentrieren wir uns auf Technologie, die mit Verkehrsnavigation zusammenhängt und diese verbessert», sagt Kühn.

Weniger wichtig, aber dennoch im Programm, sind Features wie Kamera oder MP3-Player in den Navigationsgeräten. Die beiden grössten Hersteller - TomTom und Garmin - sind die einzigen, die ihre Produkte völlig selbstständig entwickeln.

Tele Atlas vor Übernahme?

TomTom will vor allem durch Technologien wie den eigenen Verkehrsinformationsdienst HD Traffic oder MapShare punkten. MapShare ermöglicht es den Nutzern, Fehler im Kartenmaterial selbst zu korrigieren und die Änderungen auch anderen User zur Verfügung zu stellen, nachdem sie von TomTom validiert wurden.

Um die aktuelle Marktposition zu festigen greift TomTom derzeit nach Kartenhersteller Tele Atlas. Nach dem Rückzug von Garmin im Bieterstreit sind nun die Tele-Atlas-Aktionäre am Zug und müssen im Dezember entscheiden, ob sie das Angebot von rund 30 Euro pro Aktie annehmen wollen. Insgesamt will TomTom 2,9 Mrd. Euro für die Übernahme locker machen.

Neben den Konkurrenten Garmin, Becker, Medion oder Miro, die selbst Navigationsgeräte produzieren, betreten aber auch Unternehmen, die aus einer anderen Branchenecke kommen, die Navi-Bühne.

Verstärktes Engagement

So engagiert sich Handyhersteller Nokia derzeit verstärkt im Navigationsbereich und hat sich kürzlich den Tele-Atlas-Konkurrenten Navteq einverleibt. Marktforscher prophezeien GPS-Handys eine grosse Zukunft.

Insgesamt sollen laut iSupply 2011 weltweit rund 444 Mio. GPS-Handys über die Ladentische gehen. Eine Bedrohung für das PND-Geschäft sieht Kühn dabei jedoch nicht: «Hier wird ein zweiter Markt aufgemacht, der sich vor allem an Reisende richtet, die sich zu Fuss in einer fremden Stadt zurechtfinden wollen.

Diese Kundengruppe will kein weiteres Gerät mit sich herumtragen. Hier ist ein GPS-Handy sicherlich die richtige Wahl.» Gegen den Einsatz im Auto spreche jedoch das kleine Display sowie die mangelnde Benutzerfreundlichkeit dieser Systeme, meint Kühne.

Steigender Umsatz

In jedem Fall will TomTom aber auch in diesem Segment weiterhin mitmischen. «Die Softwareschiene ist nach wie vor ein wichtiger Geschäftsbereich, den wir weiterhin pflegen», sagt Kühne und verweist auf die Navigator-Software für PDAs und Smartphones.

Der Navigationsspezialist wird im laufenden Jahr 2007 nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 1,6 bis 1,8 Mrd. Euro einfahren. Im Dezember des Vorjahres lag der Umsatz bei 1,36 Mrd. Euro.

«Wir rechnen mit einem weiteren Wachstum von rund 30 Prozent», so Kühn. Derzeit ist in Europa etwa ein Viertel aller KFZ mit einer fest installierten oder portablen Navigationslösung ausgestattet. «Ein realistisches Ziel ist die Verdopplung dieses Wertes», meint Kühn. Damit gibt es noch ein Potenzial von rund 50 Mio. Fahrzeugen.

«Überschaubares Portfolio»

TomTom sieht sich als Begründer dieses Branchensegments für Personal Navigations Devices (PND) und kann für die vergangenen Jahre ein starkes Wachstum aufweisen. Der Umsatz stieg von acht Mio. Euro 2002 auf aktuell über eineinhalb Mrd. Die Mitarbeiteranzahl wurde von 150 im Jahr 2004 auf 1300 aufgestockt und wächst weiter.

Das Unternehmen selbst besteht bereits sei 1991 und war ursprünglich ein Softwarefirma. Mit der Einführung des ersten PND im Jahr 2004 stieg das mittlerweile börsennotierte Unternehmen in das Hardwaregeschäft ein und vertreibt seit dem seine Kartensoftware mit eigenen Geräten.

«Wir haben ein überschaubares Portfolio an Geräten und bieten drei Schienen. Das Einsteigergerät ONE, das Modell ONE XL in der Mittelklasse und die GO-Familie im Premium-Segment», erläutert Alois Schöninger, Country Manager Austria.

(tri/pte)

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