Helles Display: Sony Xperia P getestet
publiziert: Dienstag, 12. Jun 2012 / 09:52 Uhr

Das Sony Xperia P ist eines der aktuellen Smartphone-Flagschiffe des japanischen Konzerns nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Ericsson. Im Praxistest wollten wir herausfinden, ob Sony beim angekündigten Wunder-Display sein Versprechen halten kann und wie sich das Smartphone im Praxiseinsatz schlägt.

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Die Geräte der NXT-Reihe von Sony sollen nach der Vorstellung des Herstellers neue Akzente beim Design von Smartphones setzen. Bezogen auf das Xperia P ist das in vielen Bereichen gelungen, allerdings offenbart unser Test, dass der Nutzer dafür bei der technischen Ausstattung und bei der Handhabung gewisse Kompromisse machen muss.

Design hebt sich vom Android-Einerlei ab

Mit dem Xperia P hat Sony den Spagat geschafft, ein Android-Smartphone auf den Markt zu bringen, das sich wohltuend vom Android-Einerlei abhebt, ohne dabei allzu viele Anleihen beim iPhone zu machen. Das Telefon ist in den Gehäusefarben schwarz, silber und rot erhältlich, für unseren Test haben wir ein silbernes Exemplar bekommen. Das Aluminium-Gehäuse machte in unserem Test einen sehr robusten Eindruck, auch bei einem etwas festeren Druck auf die Gehäuserückseite gab diese nicht nach. Leicht fettige Finger hinterlassen auf der matten Oberfläche kaum Spuren.

Dem Sony Xperia P können wir bescheinigen, dass es gut in der Hand liegt - fast zu gut. Denn das Gehäuse weist - ausser den Bedientasten - kaum griffige Stellen auf. Nimmt man das telefon zu locker in die Hand, kann es auch leicht einmal abrutschen. Packt man es fester an, besteht die Gefahr, unbeabsichtigt eine Taste zu bedienen. Nach dem dritten oder vierten Versuch hatten wir das Telefon dann gut «im Griff».

Ein hervorstechendes Merkmal beim Sony Xperia P ist der komplett transparente Gehäusestreifen direkt unterhalb des Displays, der dem Telefon eine etwas futuristische Aura verleiht. Auf Vorderseite des Smartphones liegen auf dem Streifen der Home-, Menü- und Zurück-Button. Unter dem Streifen schliesst dann eine abnehmbare Kunststoffkappe an, unter der sich das Typenschild verbirgt.

Kamerataste für direkten Zugriff

Auf der linken Gehäuseseite befinden sich ausser dem SIM-Kartenslot der MicroUSB-Anschluss sowie eine HDMI-Buchse für die Verbindung zum Fernseher. Auf der rechten Schmalseite sind neben einem Lautsprecher die Einschalttaste und der Lautstärkeregler angebracht. Eine gute Idee ist die Auslösetaste für die eingebaute 8-Megapixel-Kamera. Denn damit kann man selbst bei gesperrtem Bildschirm das Telefon aus der Tasche ziehen und einen Schnappschuss machen, ohne vorher über den Bildschirm streichen und die Kamera aktivieren zu müssen.

Nicht ganz zum gelungenen Design passt übrigens die flache und etwas billig wirkende Verpackung des Telefons: Der Umkarton ist sehr labil und wenn man das Telefon samt Zubehör mehrmals nacheinander ein- und wieder auspacken muss, ist es kaum möglich, dieses wieder in den inneren Faltkarton zu zwängen, was zur Folge hat, dass dieser kaum noch in den äusseren Karton passt. Hier wäre es keine Schande, wenn sich Sony wieder für das klassische Box-Design der übrigen Smartphone-Konkurrenz entscheiden würde.

Leuchtendes Display überzeugt beim Xperia P

Das von Sony mit dem Begriff «White Magic» angepriesene Display ist tatsächlich eines der Highlights des Xperia P. Dahinter verbirgt sich ganz konkret eine Display-Technik, die Sony selbst in dem Blogeintrag Introducing WhiteMagic erläutert.

Zusätzlich zu den gewohnten Pixelfarbe Rot, Grün und Blau verfügt das Display über weisse Unterpixel. Das Ergebnis ist auch ohne komplizierte Lichtstärke-Messung mit blossem Auge erkennbar. Im Auslieferungszustand mit voreingestellter automatischer Helligkeitsanpassung konnte das Display in geschlossenen Räumen durch ein überdurchschnittlich helles Display und deutlich lesbares Schriftbild überzeugen. Beim Gang ins Freie brauchte das Telefon bei wechselnden Lichtverhältnissen immer eine kurze Zeit, um sich einem bewölkten oder sonnigen Himmel anzupassen.

Ein konstantes Ergebnis erzielten wir mit der manuellen Helligkeitseinstellung: Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung war es praktisch nie notwendig, die Helligkeit - wie bei so vielen anderen Smartphones - auf die allerhöchste Stufe zu stellen, um die Schrift lesen zu können. Mit einer Helligkeitseinstellung von etwa 70 Prozent war der Bildschirm jederzeit gut lesbar. Auch von der Seite noch betrachtbar

Die Blickwinkelabhängigkeit ist beim Sony Xperia P recht schwach ausgefallen. In unserem Test war der Bildschirm auch bei einem schrägen Blick von der Seite noch gut erkennbar, auch die bei Smartphones mitunter auftretenden Farbverschiebungen bei einem seitlichen Blick auf das Display konnten wir beim Xperia P nicht entdecken.

Einen minimalen Wermutstropfen hat das Display allerdings doch: Durch das zusätzliche weisse Pixel ist die Farbtreue beim Betrachten von Fotos und Webseiten nicht immer gegeben. Das klassisch leuchtende Gelb der teltarif.ch-Startseite wirkte auf dem Display etwas blass und eher stumpf. Weisse (Hintergrund-)Flächen haben einen leichten Stich ins rosa.

Ausstattung: Akku nicht wechselbar, gute Digitalkamera

Die Hardware ist für das momentan auf dem Sony Xperia P installierte Android 2.3.7 «Gingerbread» gut bemessen. Sony hat bereits angekündigt, dass das Smartphone in den nächsten Wochen ein Update auf «Ice Cream Sandwich» bekommen soll. Wichtig zu wissen ist auch, dass das Xperia P einen MicroSIM-Slot hat. Für die Verbindung zum PC ist es übrigens nicht notwendig, die beim erstmaligen Anschliessen vorgeschlagene Software-Installation durchzuführen: Kopiert man lediglich Fotos und MP3-Dateien zwischen Telefon und Computer, kann man auf diese Software durchaus verzichten. Der mit 16 GB eher durchschnittlich ausgefallene Speicher ist nicht erweiterbar, da das Xperia P keinen Speicherkartenslot hat. Frei nutzbar sind rund 13 GB.

Etwas ausführlicher beschäftigt haben wir uns mit der im Xperia P verbauten 8-Megapixel-Kamera. Je nach Einsatzszenario macht diese erstaunlich gute Fotos. Insbesondere die Farbgebung der Fotos ist sehr detailgetreu, auch über die Schärfe der Bilder gibt es nichts Negatives zu sagen. Lediglich bei schlechten Lichtverhältnissen lässt die Qualität etwas nach - die Bilder haben dann einen leicht weisslichen Schleier, was man aber bei einer Smartphone-Kamera nicht kritisieren darf. Bei schönem, sonnigem Wetter macht die Kamera Fotos, die den Vergleich mit denen einer Mittelklasse-Digitalkamera nicht zu scheuen brauchen.

Auf der letzten Seite werfen wir einen Blick auf die Akkuleistung und die vorinstallierten Apps und begründen, warum die Floating-Touch-Funktion überbewertet ist.

Sony Xperia P: Akku-Leistung, Bedienung und installierte Apps

Der im Sony Xperia P eingebaute Akku mit 1305 mAh ist durchschnittlich leistungsfähig. Die tatsächliche Akkulaufzeit war in unserem Test stark abhängig von der Einstellung der Bildschirmhelligkeit. Verlässt man sich auf die automatische, vom Sensor gesteuerte Helligkeitsregelung, ist die Akkulaufzeit ordentlich. Bewegt man sich aber viel im Freien und stellt die Helligkeit manuell auf einen dauerhaft hohen Wert ein, «frisst» das Display den Akku förmlich leer. Die von Sony angegebene Sprechzeit von bis zu 6 Stunden und Video-Abspielzeit von maximal 4 Stunden ist nach unserer Auffasung zu hoch angegeben - bei beiden Werten muss man in der Praxis rund eine Stunde abziehen.

Dafür konnte das Sony Xperia P im Test mit einer überdurchschnittlich schnellen Ladezeit glänzen: In rund einer Stunde war der völlig leer gesaugte Akku wieder zu 100 Prozent aufgeladen. Lädt man schon vorher nach, beispielsweise bei einem Akkuladestand von 10 Prozent, ist der Ladevorgang in rund 50 Minuten abgeschlossen.

In unserem Test erwärmte sich das Sony Xperia P während des Ladevorgangs fühlbar: Ist das Smartphone an der Steckdose angeschlossen, wird die Aluminium-Rückseite recht warm, auch der etwas gross geratene Netzstecker erwärmt sich.

Das grösste Manko bei der Energieversorgung des Xperia P ist aber die Tatsache, dass der Nutzer den Akku nicht wechseln kann. Man wird also nicht darauf verzichten können, sich eingehend mit den Energiesparfunktionen zu beschäftigen - und an langen Tagen das Ladegerät immer mitzunehmen.

Bedienung und vorinstallierte Apps

In unserem Test liess sich das Sony Xperia P flüssig bedienen. Der Aufruf von Menüs und Apps klappte stets zügig, allerdings würden wir der von Sony angepriesenen Floating-Touch-Funktion keine allzu grosse Bedeutung beimessen. Beim Live-Wallpaper funktionierte es zwar, dass wir mit dem Finger knapp oberhalb des Displays wischen konnten und der Schleier sich bewegte. An wirklich wichtigen Stellen, also in Menüs, im Browser und bei Apps, war immer eine echte Bildschirmberührung für die Steuerung notwendig.

Ausser den Android-typischen Google-Apps war auf dem Xperia P die Sony-eigene App TrackID zur Erkennung von Musik vorinstalliert. Ausserdem fanden wir die Karten- und Navigations-App Wisepilot auf dem Telefon. Mit Multitouch war es allerdings bei dieser App nicht so weit her, die Karte konnten wir im Test nur mit Plus- und Minuszeichen zoomen. Für das Auslesen von QR-Codes hatte Sony bereits den NeoReader aufgespielt. Office-Dokumente lassen sich mit dem OfficeSuite Viewer betrachten, allerdings befindet sich auf dem Sony Xperia P nicht die neue Version 6, sondern die alte Version 5.

Fazit: Display-Wunder mit kleineren Schwächen

Das Sony Xperia P kann im Test in vielen Disziplinen überzeugen: Das Smartphone erbringt den Beweis, dass solide Verarbeitung und futuristisch-schlichtes Design sich gegenseitig keineswegs ausschliessen müssen. Dafür muss der Nutzer in Kauf nehmen, dass er den ohnehin nicht übermässig leistungsstarken Akku nicht wechseln und den 16-GB-Speicher nicht erweitern kann. Allerdings ist der Akku recht schnell wieder aufgeladen. Ein Glanzpunkt ist das helle und kontraststarke Display, das auch bei starker Sonneneinstrahlung eine gute Figur macht. Die Ergebnisse der Digitalkamera können sich durchaus sehen lassen. Das Xperia P lässt sich unter Android 2.3 flüssig und ohne Stocken bedienen - nach dem Update auf «Ice Cream Sandwich» müsste man diese Einschätzung nochmals überprüfen.

(Alexander Kuch/teltarif.ch)

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