HD-Kamera-Handy Vivaz im Test
publiziert: Sonntag, 21. Mrz 2010 / 09:20 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 21. Mrz 2010 / 09:43 Uhr
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8,1-Megapixel-Kamera und Videoaufnahmen in 720p.
8,1-Megapixel-Kamera und Videoaufnahmen in 720p.

Mit der neuen Smartphone-Generation möchte Sony Ericsson wieder an alte Erfolge anknüpfen. Das Rezept: Die bewährte skandinavische Designkunst, kombiniert mit bekannt hochwertigem Multimedia-Equipment und dem angesagten Touchscreen. Wir haben uns mit dem Sony Ericsson Vivaz eines dieser neuen Smartphones im Test näher angesehen.

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Das Problem bei einem Touchscreen-Vertreter ist, dass dieser Gerätetyp weniger Spielraum für Designkapriolen zulässt. Das hinlänglich bekannte Schema «XXL-Touchscreen plus drei Steuertasten» lockert Sony Ericsson aber mit mehr Farbigkeit auf. So gibt es das Sony Ericsson Vivaz in den vier Farbvariationen Moon Silver, Cosmic Black, Galaxy Blue und Venus Ruby.

Ausserdem hat Sony Ericsson durchaus mutig am Formfaktor gefeilt. So erinnert die ellipsenförmige Silhouette ein wenig an eine Wippe. Das Ganze wird schliesslich mit edlen silbernen Tasten abgerundet. Unter dem Strich ein in sich stimmiges Designkonzept, das sich klar vom bekannten Business-Dress vieler Touchscreen-Vertreter abgrenzt. Insbesondere die lilafarbige Variante des Sony Ericsson Vivaz dürfte Begehrlichkeiten bei Fashion-Victims hervorrufen.

Das Sony Ericsson Vivaz ist mit 97 Gramm durchaus ein Smartphone-Leichtgewicht. Dass der Halbschwede die 100-Gramm-Marke durchbricht liegt vor allem daran, dass Sony Ericsson ausschliesslich leichtes Plastik verbaut hat – Metall-Applikationen gibt es nicht. Grundsätzlich ist das nicht problematisch, wobei aber der Akku-Deckel doch ein wenig zu dünn ausgefallen ist. Bei genauerem Hinsehen sind an einigen Stellen daher auch Spaltmassen zu erkennen. Unter dem Strich eine eher durchschnittliche Verarbeitungsqualität.

Übrigens: Das Vivaz ist das erste Modell von Sony Ericsson, das über eine Micro-USB-Schnittstelle Strom bezieht. Der Hersteller folgt damit der EU-Verordnung, im Jahre 2010 ein einheitliches Netzteil einzuführen. Eine sinnvolle Vorgabe, schade allerdings, dass die Plastikabdeckung sich nur widerwillig ein- und ausstöpseln lässt, sodass man ein wenig Kraft aufwenden muss, um das Ladekabel in den Slot zu stecken.

Für Hobby-Regisseure

Im Zentrum des Komfortprogramms steht die hochwertig ausgestattete 8,1-Megapixel-Kamera. Flankiert durch ein kleines Fotolicht, Autofokus sowie diverse Konfigurationsmöglichkeiten soll es hochwertige Schnappschüsse ermöglichen. Der Praxistest offenbart allerdings bekannte Kamerahandy-Schwächen. So sehen die Ergebnisse in geschlossenen Räumen auffallend blass und oftmals leicht milchig aus. Erst, wenn man ein bisschen mit den Szenen-Modi herumspielt, kitzelt man mehr farbige Brillanz aus dem Vivaz. Bei grösseren Distanzen geht dem Autofokus zudem die Puste aus. Kurzum: Ergebnisse, die ein Fotoalbum veredeln, gelingen wie so häufig nur bei Tageslicht.

Besser schlägt sich der Camcorder. Mit dem Sony Ericsson Vivaz können Clips mit einer Auflösung von bis zu 1280 mal 720 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen und archiviert werden – nur das Samsung I8910 HD und das Samsung H1 können da derzeit mithalten. In der Praxis überzeugt die Filmkamera durch ihre unkomplizierte Handhabung und gute Lichtempfindlichkeit. Auch in geschlossenen Räumen sind durchaus beachtliche cineastische Ergebnisse möglich. Und was macht man mit den HD-Aufnahmen am besten? Richtig: per TV-Out auf der Flimmerkiste geniessen. Doch gerade hier versagt das Sony Ericsson Vivaz: Zwar bietet es die entsprechende Schnittstelle, doch leider liegt die Ausgabe-Qualität nur auf VGA-Niveau.

Dafür haben die Macher an das entsprechende Datenarchiv gedacht, denn HD-Aufnahmen sind absolute Speicherfresser. Während der interne Speicherplatz auf rund 75 MB begrenzt ist, sorgt die beigelegte 8-GB-microSD-Karte dafür, dass das Vivaz nicht allzu schnell Verdauungsschwierigkeiten bekommt. Praktisch: Das Sony Ericsson Vivaz kann auf Wunsch vom PC auch als Wechseldatenträger genutzt werden.

Das restliche Ausstattungsprogramm basiert zum grossen Teil auf den Standardzutaten des Betriebssystems Symbian S60 5th Edition. Das beinhaltet alle Basis-Organizer-Funktionen, wie E-Mail-Push-Dienst, eigene SMS-Ordner, einen reibungslosen PC-Datenabgleich dank Microsoft Exchange ActiveSync sowie RoadSync und natürlich einen Kalender mit Erinnerungsfunktion. Mit Hilfe von QuickOffice lassen sich zudem alle wichtigen Windows-Formate ansehen. Mit diesem Angebot wird das Vivaz durchaus Smartphone-Ansprüchen gerecht.

Technisch überzeugend

Auch ein paar Apps sind ab Werk bereits draufgespielt. Dazu gehört eine Wasserwaage, die dank des Neigungssensors im Alltag durchaus nützlich sein kann. Mittels des Neigungssensors lassen sich auch Games steuern, was die Snowboard-Simulation SSX 3 anschaulich demonstriert. Gute Nachtrichten für alle Zocker: Das Sony Ericsson Vivaz bietet eine sehr gute Java-Performance und eignet sich damit optimal für 3D-Spiele.

Im musikalischen Bereich steht neben einem RDS-Radio auch ein gut ausgestatteter Audio/Video-Player auf dem Sony Ericsson Vivaz bereit. Glücklicherweise geht auch Sony Ericsson dazu über, ihre Handys mit einem 3,5-Millimeter-Klinkestecker auszustatten, denn der beigelegte Kopfhörer ist eher unterdurchschnittlich.

Auch im Bereich Datenschnittstellen ist alles im grünen Bereich: So liegt die Bandbreite im Download-Bereich bei bis zu 7,2 MBit/s, während HSUPA ein Upload von bis zu 2,0 MBit/s ermöglicht. Eine WLAN-Schnittstelle rundet das Angebot an schnellen Datenbahnen ab. Dieses Tempo macht sich vor allem beim Internetsurfen bemerkbar, denn Seiten werden auffallend schnell geladen.

Bei solch einem Multimedia-Schwergewicht darf ein GPS-Empfänger ebenfalls nicht fehlen. Der Hersteller stellt laut Datenblatt mit Wisepilot dafür kostenpflichtige Offboard-Navigationslösung bereit. Das hätte teltarif gerne getestet, doch leider war bei der Testversion nur Google Maps vorinstalliert.

Keine zeitgemässe Handhabung

Durch die Verwendung von Symbian S60 in der fünften Edition müssen Nutzer mit einigen Kompromissen leben. Das betrifft vor allem den eher mässigen Bedienungsfluss, denn immer wieder muss man doppelt auf Tastenfeldern drücken, um eine Aktion umzusetzen. Hinzukommt, dass häufig Ladezeiten entstehen, wenn das 16:9-Display beispielsweise vom Hoch- ins Querformat wechselt, man die Tastensperre deaktiviert oder wenn man einfach nur vom Hauptmenü in ein Untermenü wechseln möchte. Unverständlich, dass das Vivaz nur mit angezogener Handbremse arbeitet, denn die Taktfrequenz liegt bei ordentlichen 720 MHz.

Weiterer Schwachpunkt: Elegantes Aufziehen von Fotos und Internetseiten mit zwei Fingern, wie es vom iPhone oder von manchen Android-Smartphones bekannt ist, funktioniert beim Sony Ericsson Vivaz nicht, da Series60 keine Multitouch-Eingaben unterstützt. Auch das kinetische Scrolling durch Listen geht bei der Konkurrenz mittlerweile geschmeidiger und präziser von der Hand. Unter Strich wirkt das Bedienungskonzept somit dezent angestaubt, was auch dadurch gekennzeichnet ist, dass einige Eingaben über den beigelegten Eingabestift erfolgen sollten, da die einblendbare Qwertz-Tastatur doch recht klein geraten ist.

Nicht in allen Belangen nützlich sind darüber hinaus die insgesamt fünf Ausgangsbildschirme, zwischen denen man hin und her wechseln kann. Grundsätzlich ist die Aufteilung zwar zeitgemäss, doch die Personalisierungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt, da sich die Tableisten nicht editieren lassen.

Überzeugende Akku-Leistung

Bei den Messwerten liefert das Vivaz dafür rundum gute Ergebnisse. Insbesondere der 1200 mAh starke Lithium-Polymer-Stromspender überzeugt durch ein sehr gutes Stehvermögen. Im UMTS-Betrieb ist bei moderater Nutzungsintensität rund eine Woche Dauereinsatz keine Seltenheit. Im breiten Vergleich ist das derzeit ein Spitzenwert für ein UMTS-Smartphone.

Wer viel mit dem Vivaz telefoniert, freut sich ausserdem über eine klare Verständigung, denn Nebengeräusche hält das Smartphone sehr gut in Schach. Zwar lässt sich auch bei diesem Mobiltelefon der berüchtigte Blechdosenklang nicht wegdiskutieren, doch in diesem Fall hält er sich klar in Grenzen. Zuguterletzt ist das Vivaz auch noch ein sehr zuverlässiger Funker. Im Praxistest waren steile Empfangsbalken in allen Frequenzbereichen die Regel. In Grenzgebieten kann es zudem mit aktuellen Referenzgeräten sehr gut mithalten.

Von der Performance her zu schwach auf der Brust

Sony Ericssons Bemühen, ein absolut zeitgemässes Smartphone zu bauen, kann leider nicht auf ganzer Linie überzeugen. Als Smartphone ist das Sony ericsson Vivaz nämlich von der Performance her zu schwach auf der Brust, und beim Bedienungskonzept zeigen die meisten Konkurrenten dem Series60 mittlerweile klar die Rücklichter. Als Multimedia-Handy überzeugt es hingegen durch ein schickes Designkonzept, viele Unterhaltungsqualitäten mit einem XXL-Speicherplatz sowie einer sehr guten Akku-Leistung. Im Online-Handel ist das Sony Ericsson Vivaz zurzeit für Preise ab 485 Franken ohne Vertrag erhältlich.

(Ulf Schneider/sda)

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