«Gleichheit im Internet gab es nie»
publiziert: Montag, 18. Feb 2008 / 13:26 Uhr

St. Gallen - In den USA ist einmal mehr eine heftige Diskussion zum Thema Netzneutralität entbrannt. Ausschlaggebend ist ein Gesetzesentwurf, der Breitbandregeln enthält, die sicherstellen sollen, dass es keinem Betreiber möglich ist, bestimmte Internetangebote bevorzugt zu behandeln.

Vor allem für die Netzbetreiber ist der permanente Anstieg des Datenvolumens im Web belastend.
Vor allem für die Netzbetreiber ist der permanente Anstieg des Datenvolumens im Web belastend.
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User haben demnach ein Recht darauf, auf alle Anwendungen und Inhalte im Web zugreifen zu können. Gegner des Vorschlages führen Kapazitätsengpässe sowie den schleppenden Ausbau der Infrastruktur ins Treffen.

Als starke Befürworter des Gesetzesentwurfs treten Google und Amazon auf, die davor warnen, dass die Einführung einer Internetmaut ein Zwei-Klassen-Internet schaffen würde.

«Es gab schon immer Unterschiede zwischen den Usern», sagt der Webexperte Walter Brenner vom Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule St. Gallen (HSG). Die Höhe der Providergebühr bestimme seit jeher den Servicelevel.

Sicherung der Servicequalität

Die Diskussion um die Netzneutralität betrachtet Brenner als künstlich aufgebauscht. «Die Ungleichheiten sind allein in verschiedenen Webzugängen begründet. Die Gleichberechtigung im Internet existiert nicht. Die Verschiedenheiten liegen beispielsweise in der Übertragungskapazität, der Zugangsmethode oder der Bandbreite eines Webanschlusses», führt der Wissenschaftler an.

Hier sind Differenzen zu beobachten, die allein von der Gebühr abhängen, die der User an seinen Provider abliefert.

«Das Wort Internetmaut ist in der Diskussion nicht angebracht, denn es geht nicht um eine Maut, sondern schlicht um die Sicherung der Servicequalität», sagt Brenner.

Verdopplung des Traffics im Zwölf-Monats-Rhythmus

Vor allem für die Netzbetreiber ist der permanente Anstieg des Datenvolumens im Web belastend. Schuld an der Verdopplung des Traffics im Zwölf-Monats-Rhythmus ist der Hunger der Webuser nach Bildern, Videos und Multimedia-Seiten.

Entsprechende Portale erleben bereits seit einiger Zeit einen Boom und locken die Web-Surfer auf ihre Seiten. Die Datenmenge, die dabei zustande kommt, belastet die Netze und verlangt einen ständigen Ausbau der Infrastruktur.

«Studien gehen davon aus, dass es künftig zu einer Knappheit bei Bandbreite und Kapazität kommen könnte. Sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich ist der Anstieg des Datenvolumens enorm. Dazu kommt, dass anscheinend in die Infrastruktur zu wenig investiert wird», sagt Brenner.

Alle Nutzer leiden

Unter der Datenlast leiden alle User des Webs, problematisch ist dies jedoch vor allem für zeitkritische Anwendungen. «Im Consumerbereich betrifft dies beispielsweise Online-Gaming aber auch IPTV-Angebote. Im Businessbereich wächst das Segment des Software as a Service sowie on Demand stark», erläutert Brenner.

Bei diesen Diensten sei das Web das Medium, das den User mit dem Rechenzentrum verbindet und müsse daher auch eine hohe Servicequalität bieten.

«Quality of Service ist hier für Unternehmen entsprechend wichtig. Wenn sie eine End-to-End-Garantie für ihren User abgeben wollen, dann muss auch sichergestellt werden, dass die Daten auch tatsächlich in der geforderten Zeit beim Kunden ankommen», so Brenner.

(rr/pte)

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