Ende des deutschen Wirtschafts-Spektakels
publiziert: Mittwoch, 29. Nov 2006 / 10:05 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 29. Nov 2006 / 13:14 Uhr

Düsseldorf - Der Mannesmann-Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf Mitangeklagte wird eingestellt.

Den grössten Teil der Summe müsste Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schultern: 3,2 Mio. Euro.
Den grössten Teil der Summe müsste Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schultern: 3,2 Mio. Euro.
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Das Düsseldorfer Landgericht erteilte die Auflage, insgesamt 5,8 Mio. Euro (rund 9,2 Mio. Franken) zu zahlen.

Das gab der Vorsitzende Richter Stefan Drees im Verhandlungssaal des Düsseldorfer Landgerichts bekannt.

Den Antrag zur Einstellung hatten am Freitag die Verteidiger gestellt; die Staatsanwaltschaft stimmte dem zu.

Kein öffentliches Interesse

Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer Fortsetzung des Verfahrens, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Drees im Verhandlungssaal des Düsseldorfer Landgerichts.

Beim Prozess ging es um millionenschwere Abfindungen für Manager bei der Übernahme von Mannesmann durch das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone.

Ende ohne Urteil

Damit ist das spektakulärste deutsche Wirtschafts-Strafverfahren fast sieben Jahre nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone ohne Urteil beendet.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten sich darauf geeinigt, dass die sechs Angeklagten eine Geldauflage von 5,8 Mio. Euro zahlen. Ackermann, der wie die übrigen Beschuldigten nicht vorbestraft ist, übernimmt dabei mit 3,2 Mio. Euro den Löwenanteil.

Ende der Zitterpartie

Für Ackermann endet mit der Einstellung eine jahrelange Zitterpartie. Bereits zu seinem Amtsantritt vor vier Jahren hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Anklage war im Herbst 2003 vom Gericht zugelassen worden.

Bei einer Verurteilung wäre Ackermann an der Spitze von Deutschlands grösstem Geldhaus kaum zu halten gewesen.

Das Landgericht hatte in einem ersten Prozess 2004 alle Angeklagten freigesprochen. Dieses Urteil war später vom Bundesgerichtshof aufgehoben und der Fall an das Landgericht zurückverwiesen worden.

Die Taten seien schon vor sechs Jahre begangen worden, sagte Drees. Die Angeklagten - unter ihnen der Schweizer Ackermann - seien in der Vergangenheit einer überdurchschnittlichen Belastung ausgesetzt gewesen.

«Offene rechtliche Fragen hätten in einem überschaubaren Zeitraum nicht geklärt werden können», argumentierte der Richter.

Antrag zur Einstellung

Den Antrag zur Einstellung hatten am Freitag die Verteidiger gestellt; die Staatsanwaltschaft stimmte zu. Von den Geldauflagen soll allein Ackermann 3,2 Mio. Euro zahlen, der ebenfalls angeklagte Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser 1,5 Mio. Euro.

Die millionenschweren Geldauflagen entsprechen etwa einem Zehntel des Volumens der umstrittenen Prämien- und Pensionsbeschlüsse: In dem Prozess ging es um die Rechtmässigkeit von Prämien und Abfindungen in Höhe von 57 Mio. Euro, die nach der Mannesmann- Übernahme durch Vodafone Anfang 2000 an amtierende und frühere Konzernmanager geflossen waren.

Ackermann und die übrigen fünf Beschuldigten sind mit der Einstellung des Verfahrens nun nicht vorbestraft. Der Vorsitzende Richter trat dem Eindruck entgegen, die Angeklagten könnten sich freikaufen. Diese Einschätzung «teilt die Kammer nicht», betonte Drees.

(dl/sda)

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