«Ishin-Den-Shin»
Disney hat eine Art Telepathie erfunden
publiziert: Mittwoch, 11. Sep 2013 / 23:14 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 12. Sep 2013 / 08:06 Uhr

Pittsburgh - Die findigen Ingenieure von Disney Research haben einen revolutionären neuen Ansatz entwickelt, der die Übertragung von akustischen Signalen über den menschlichen Körper ermöglicht.

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Bei der «Ishin-Den-Shin»-Technologie - einem japanischen Ausdruck der übersetzt in etwa «wortlose Verständigung» bedeutet - wird dabei ein herkömmliches Standardmikrofon verwendet, um Audiosignale aufzunehmen. Diese werden anschliessend in ein nicht hörbares elektrisches Signal umgewandelt, das in den Körper des Sprechers zurückgeschickt wird. Sobald dieser dann mit seinen Fingerspitzen das Ohrläppchen einer anderen Person berührt, entsteht eine Vibration, die als akustisches Signal wahrgenommen wird.

«Ishin-Den-Shin ist ein Mantra, das für das traditionelle japanische Konzept der interpersonellen Kommunikation durch unausgesprochene gegenseitige Verständigung steht», erklären die Disney-Forscher Yuri Suzuki, Olivier Bau und Ivan Poupyrev auf ihrer Projektwebseite. Sinngemäss liesse sich das Konzept auch als «Telepathie» übersetzen, heisst es weiter. «Im Kern dieser Technologie steht ein Mikrofon, das Audiosignale aufnehmen und diese von Körper zu Körper über Berührung weiterleiten kann», erläutern die Techniker. Die Signale sind aber nur von dem Ohr hörbar, das berührt wird. «Geheimnisse und geflüsterte Botschaften können so durch physischen Kontakt von einer Person zur nächsten weitergegeben werden. Der Körper wird zum Übertragungsmedium für intimen, physischen Klangtransfer», so die Disney-Ingenieure.

Innovative Audioübertragung

Um diese innovative Form der Audioübertragung zu ermöglichen, haben Suzuki, Bau und Poupyrev ein handelsübliches «Shure 55»-Mikrofon mit der Soundkarte eines Computers verbunden. Das Mikrofon nimmt akustische Signale auf, sobald diese eine bestimmte vorher definierte Amplitudenhöhe überschreiten. Der Computer verwandelt die aufgenommenen Klänge daraufhin in eine Soundschleife in Form eines nicht hörbaren elektrischen Signals mit hoher Spannung und niedriger Stromstärke. Die Hardware ist dabei mit der leitenden metallischen Hülle des Mikrofons über einen dünnen, kaum sichtbaren Draht verbunden, der um dessen Audiokabel gewickelt ist.

Sobald das «Ishin-Den-Shin»-Mikrofon von einem Sprecher in der Hand gehalten wird, kommt dieser in Kontakt mit dem nicht hörbaren Signal des aufgenommenen Sounds. «Dadurch entsteht ein moduliertes elektrostatisches Feld, das die Haut des Signalgebers umgibt. Wenn dieser das Ohr einer anderen Person berührt, erzeugt das elektrostatische Feld eine sehr kleine Vibration des Ohrläppchens. Finger und Ohr ergeben gemeinsam einen Lautsprecher, der das Signal für denjenigen, der berührt wird, hörbar werden lässt», schildern die Forscher die Funktionsweise.

Enormes Anwendungspotenzial

Was auf den ersten Blick etwas skurril erscheinen mag, ist bei genauerer Betrachtung schon längst keine Science-Fiction-Fantasie mehr. Gerade in jüngerer Vergangenheit häufen sich technologische Konzepte, die damit experimentieren, den menschlichen Körper als Übertragungsmedium für Audiosignale zu erschliessen. Das Projekt von Disney Research ist hier nur ein interessantes Beispiel. Ob spezielle Kopfhörer, Gold-Mundstücke für Gangster-Rapper oder Googles Hightech-Brille «Glass» - derartige Übertragungsmöglichkeiten werden vielfach eingesetzt und versprechen ein enormes Anwendungspotenzial, sind sich Experten einig.

(dap/pte)

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