Traumpartner?
Die Symbiose von Symbian und Windows Phone 7
publiziert: Donnerstag, 10. Mrz 2011 / 09:54 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 10. Mrz 2011 / 14:12 Uhr
Nokia und Microsoft.
Nokia und Microsoft.

Der Handymarktführer Nokia wird in Zukunft auf das Betriebssystem Windows Phone 7 von Microsoft setzen. Dieser Schritt war wohl notwendig, trifft aber nicht nur auf Zustimmung bei Fans und Analysten. So könnte das Ergebnis der Partnerschaft von Nokia und Microsoft aussehen ...

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Nokia steht im Ruf, gute Handys zu bauen. Sein Smartphone-Betriebssystem Symbian ist allerdings in den Augen vieler Handy-Nutzer auch in der neuen Version 3 schwerfällig, wenig benutzerfreundlich und optisch langweilig. Die gleiche Kritik musste sich lange Zeit auch Microsoft für seine Smartphone-Plattform Windows Mobile anhören. Mit dem neuen System Windows Phone 7 scheint der amerikanische Software-Entwickler aber die Kehrtwende zu schaffen und heimste bislang mehr Lob als Tadel ein. Nun will auch Nokia Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem bauen. Gute Hardware mit guter Software - diese Symbiose verspricht die künftige Partnerschaft von Microsoft und Nokia, die beide Unternehmen im vergangenen Monat verkündeten.

Windows Phone 7: Schick, schnell, restriktiv

Fans hatte Windows Mobile ohne Frage. Nur: Das reichte nicht aus, um mit aufstrebenden Betriebssystemen wie Apple iOS oder Google Android konkurrieren zu können. Da nutzte es auch nichts, dass Windows Mobile ein sehr offenes Betriebssystem war, das dem Nutzer viel Gestaltungsspielraum bot. Das neue Windows Phone 7 setzt einen anderen Akzent: Statt ausufernden Ansichten bilden die sogennannten «Live Tiles» den Kern des System - kleine Kachel-Icons auf dem Handy-Display, die entweder Verknüpfungen zu wichtigen Programmen sind oder Termine, eingegangene Mails oder Updates direkt anzeigen können.

Die neue Menüstruktur wirkt äusserst schick und ist auch von unerfahrenen Nutzern schnell zu durchschauen. In Sachen offene Strukturen schlug Microsoft aber einen Weg ein, den so schnell niemand erwartet hätte. Windows Phone 7 ist ein ähnlich restriktives Betriebssystem wie Apple iOS: Ein Windows-Smartphone wird am Computer nicht als Wechseldatenträger erkannt, Musik und Videos wandern daher nur über die Zune-Software aufs Gerät - wie beim iPhone mit iTunes.

Hinzu kommt, dass Microsoft sogar Programme aus eigenem Hause, wie die weit verbreitete Bürosoftware Outlook, kaum noch unterstützt. Wollen die Nutzer der Smartphones mit Windows Phone 7 ihre Kontakte und Termine aus Outlook mit dem Bestand auf dem Handy synchronisieren, müssen sie ihre Daten erst in die Cloud zu Windows Live transferieren. Ein direkter Abgleich per USB-Kabel oder Bluetooth ist nicht mehr möglich. Das hat viele Windows-Fans verärgert. Positiv war die Stimmung ohnehin nicht, da Windows Phone 7 auch keine Anwendungen unterstützt, die für die Vorgängervariante Windows Mobile programmiert worden waren. Und aufgrund der Hardware-Anforderungen, die Microsoft den Herstellern vorgab, ist eine Speichererweiterung per wechselbarer Speicherkarte nicht vorgesehen.

Symbian: Offen, langweilig, veraltet

Das Symbian-Betriebssystem ist nach wie vor Marktführer im Smartphone-Segment. In den vergangenen beiden Jahren bröckelten allerdings die Marktanteile gegenüber iOS und Android dermassen, dass sich Nokia nun entschlossen hat, bei Highend-Geräten künftig auf Windows Phone 7 zu setzen. Ähnlich wie Windows Mobile verfolgt Symbian ein eher offenes Konzept. Das bedeutet: Der Nutzer hat viele Konfigurationsmöglichkeiten, Software lässt sich nicht nur aus einem Shop des Herstellers installieren, das Smartphone wird als Wechseldatenträger erkannt, und ein Datenabgleich per USB-Kabel oder Bluetooth ist selbstverständlich.

Das hat aber seinen Preis. Auch wenn Nokia mit Symbian^3 ein aktuelles System in die Arena schickt, ist der Kern von Symbian doch schon ziemlich alt. Die ersten Symbian-Geräte waren Nokias Communicator-Geräte, die schon in den 1990er Jahren erschienen. Daher schleppt Symbian ordentlich Altlasten mit. Bis heute hat es Nokia nicht geschafft, Symbian hundertprozentig auf die Bedienung per Touchscreen einzustellen. Noch immer dominieren lange Optionslisten. Und die Arbeitsgeschwindigkeit bleibt hinter aktuellen Android- oder Windows-Phone-Geräten teilweise deutlich zurück.

Zusammenarbeit: Ovi, Bing, Marketplace, Hardware-Anforderungen

Derzeit macht Microsoft den Hersteller von Windows-Phone-7-Geräten Vorgaben, welche die Smartphones auf jeden Fall erfüllen müssen. Zu den Voraussetzungen gehören die Display-Auflösung von 800 mal 480 Pixel, ein 1-GHz-Prozessor, mindestens 8 GB Speicherplatz und spezielle Tasten an der Front. Das hat natürlich Vorteile: Alle Geräte laufen flüssig, und als Nutzer ist bei Markenwechsel keine Umgewöhnung nötig. Gravierend sind aber auch die Nachteile: Als Hersteller ist es nicht mehr möglich, dem Gerät einen eigenen Stempel aufzudrücken und Geräte im niedrigen Preissegment zu platzieren. Das ist laut Smartphone-Herstellern wie HTC und LG der hauptsächliche Grund dafür, dass im Februar auf dem Mobile World Congress keine neuen Smartphones mit Windows Phone 7 angekündigt wurden.

Durch die Zusammenarbeit von Nokia und Microsoft werden sich diese Anforderungen wohl wesentlicher ändern, als es die ursprüngliche Roadmap von Microsoft für Windows Phone 7 vorgab. Denn Nokia möchte auch günstigere Geräte mit Windows Phone 7 ausstatten und wird auch auf Einfluss auf Windows Phone 7 und entsprechende Dienste haben.

Droht auch Windows Phone 7 eine zu starke Frgamentierung?

Nicht zulassen sollte Microsoft aber eine zu starke Fragmentierung. So positiv die Entwicklung des Android-Betriebssystems ist - ein grosser Nachteil bleiben die vielen unterschiedlichen OS-Versionen, die zu gleicher Zeit auf dem Markt sind, sowie die nach Herstellern unterschiedlichen Update-Termine, die mit den Anpassungen der spezifischen Benutzeroberflächen zu tun haben. Denkbar wären in Sachen Windows Phone 7 zwei Profile: Highend- und Mittelklasse-Smartphones. Auf Einsteiger-Geräten wäre Windows Phone 7 nicht sinnvoll, da das Betriebssystem so seinen Nimbus der guten Bedienbarkeit einbüssen würde. Denn Windows-Nutzer erwarten, analog zu Microsofts Politik der restriktiven Hardware-Anforderungen, verzögerungsfreies Arbeiten auf dem Smartphone.

Änderungen sehr wahrscheinlich

Mit der Zusammenarbeit von Nokia und Microsoft bei der Weiterentwicklung von Windows Phone 7 könnten von Symbian bekannte Features in Windows Phone 7 wieder auftauchen. Fest steht bereits, dass Nokias Software-Shop Ovi in den Windows Marketplace integriert wird, dass Nokia-Telefone Bing als Standard-Suchmaschine verwenden werden und dass der Navigationsdienst Ovi Maps als «Bing Maps» in Windows Phone 7 integriert wird. Hier liegt aber ein echtes Alleinstellungsmerkmal des «neuen» Windows Phone 7: Bislang bietet kein anderes System eine kostenlose vollwertige Navigation für Autofahrer und Fussgänger in über 70 Ländern. Hier könnten Microsoft und Nokia also punkten.

Auch wenn Windows Phone 7 nicht mehr nur Highend-Smartphones vorbehalten bleiben soll: Gravierende Änderungen am System wird Microsoft nicht oder nur ungern zulassen. Symbian-Nutzer, die das System vor allem wegen der Offenheit schätzen, müssen sich also umgewöhnen. Dennoch sollte Microsoft zumindest in Sachen PC-Anbindung ein Update zulassen. USB-Modus zum Dateitausch und Synchronisation mit PC-Programmen wären ein deutlicher Schritt nach vorne. Auch der bisher zum Dateiversand gesperrte Bluetooth-Port, bei Symbian vielfältig nutzbar, könnte eine Baustelle sein. Und natürlich stünde eine Speichererweiterung per microSD-Karte den Windows-Smartphones ebenfalls gut zu Gesicht.

Interaktive Elemente auf dem Startbildschirm

In der neuen Version 3 bietet Symbian, ähnlich wie Android, mehrere Startbildschirme, auf dem der Nutzer Widgets und Verknüpfungen zu wichtigen Programmen anlegen kann. Diese lassen sich vollkommen frei konfigurieren. Ältere Symbian-Geräte sind hier etwas weniger komfortabel und bringen nur einen Startbildschirm mit.

Microsoft hat sich für Windows Phone 7 ein neues System überlegt. Interaktive Buttons (genannt «Live Tiles») sind entweder Verknüpfung oder Widget und informieren über neue E-Mails oder Updates. Dieses System könnte aber noch konsequenter umgesetzt werden - was Symbian-Fans freuen würde. Beispiele gefällig? Der Button zum mobilen Outlook zeigt bisher nur an, ob neue E-Mails eingegangen sind oder nicht. Gut wäre ein Live Tile in doppelter Grösse, das zugleich Absender und Betreff der neuesten Mail anzeigt. Oder: Facebook-Updates verwaltet Windows Phone 7 über den Kontakte-Hub. Im zugehörigen Live Tile werden allerdings nur wahllos Köpfe der Personen aus dem Telefonbuch eingeblendet. Hier könnten die zuletzt aktiven Kontakte aufgereiht werden. Auch das Live Tile zum Kalender ist wenig funktional und müsste mindestens zwei Folgetermine anzeigen und nicht nur den aktuellen.

Microsofts Idee der Live Tiles liesse sich so erweitern, ohne auf Bedienungsfreundlichkeit verzichten zu müssen. Hier wäre ausserdem ein Unterschied zwischen Highend- und Mittelklasse-Smartphones möglich. Die Mittelklasse bekäme einen abgespeckteren Startbildschirm, um den Prozessor zu schonen.

Nicht allzu viel Zeit lassen

Zunächst einmal geht es bei Nokia und Microsoft weiter wie gewohnt. Nokia wird sich zwar mit Sicherheit weniger auf die Weiterentwicklung des Symbian-Systems konzentrieren, aussterben soll das Betriebssystem aber (noch) nicht. Schliesslich wird es nach wie vor für günstige Smartphones zum Einsatz kommen und Highend-Phones wie das Nokia E7, die unter Symbian^3 laufen, wollen noch verkauft werden. Im Laufe des Jahres werden auch noch neue Highend-Smartphones mit Symbian erscheinen. Und Microsoft rollt gerade die ersten Updates für Windows Phone 7 aus, mögliche von Nokia initiierte Änderungen kommen damit nicht von heute auf morgen.

Eine offizielle gemeinsame Roadmap von Nokia und Microsoft ist bislang nicht veröffentlicht worden. Bisher steht nur Ende 2011 als Erscheinungstermin für eine erste Gemeinschaftsproduktion in Aussicht.

(Johannes Michel/teltarif.ch)

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