«Aufschieberitis» killt Karriere
publiziert: Montag, 21. Jul 2008 / 09:56 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Jul 2008 / 10:31 Uhr

London - Eine neue Studie zeigt, dass eine von fünf Personen so stark von Prokastrination betroffen ist, dass ihre Karriere darunter leidet. Neue Technologien fördern das Phänomen.

«Aufschieberitis» kann zudem Depression, Schlaflosigkeit und niedriges Selbstwertgefühl auslösen.
«Aufschieberitis» kann zudem Depression, Schlaflosigkeit und niedriges Selbstwertgefühl auslösen.
Unter Prokastrination versteht man das krankhafte Aufschieben von anstehenden Arbeiten und die Beschäftigung mit sinnlosen Tätigkeiten.

Sogar persönliche Beziehungen und die eigene Gesundheit können durch diese Krankheit in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei wird das Phänomen von vielen nicht ernst genommen.

«Das Thema wird als Scherz betrachtet. Aber die sozialen und ökonomischen Implikationen sind gewaltig. Diese Menschen brauchen Therapie», meint Joseph Ferrari von der DePaul Universität in Chicago, der über 4000 Menschen zu diesem Thema befragt hat.

Dabei zeigte sich, dass Menschen beiden Geschlechts sowie unterschiedlicher Herkunft und Altersgruppe gleichermassen von dem Leiden betroffen sind, berichtet der Observer.

Immer mehr Menschen sind betroffen

Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass neue Technologien chronische «Aufschieberitis» noch weiter begünstigen und für den Anstieg der Betroffenen in den letzten Jahrzehnten verantwortlich sind.

Von einem aus 20 auf einen von vier ist die Zahl gestiegen, schätzt Piers Steel, Professor an der Calgary Universität, und sieht die Dominanz neuer Technologien als Ursache.

Sogar die akustischen Benachrichtigungen über eingegangene E-Mails lassen das US-Bruttosozialprodukt angeblich um 0.5 Prozent sinken, was die US-Wirtschaft jährlich 70 Mrd. Dollar kostet, schreibt der Observer.

Ferrari ist hingegen nicht der Ansicht, dass neue Technologien etwas mit chronischer Prokastrination zu tun haben.

«Ich kann unter Zeitdruck besser arbeiten»

Ferraris Studie hat gezeigt, dass viele Menschen sich vormachen, sie würden unter Zeitdruck besser arbeiten, und das als Entschuldigung verwenden, um Arbeit auf später zu verschieben. Dies gelte vor allem für Menschen, die in ihrer Arbeit gewisse Zeitvorgaben einhalten müssen.

«Studien haben gezeigt, dass sie einfach Zeiten vergessen, in denen alles schief gelaufen ist, und sich selektiv an jene seltenen Situationen erinnern, in denen unter starkem Zeitdruck alles glattgelaufen ist», erklärt Ferrari.

Dabei kann Prokastrination weitaus ernstere Krankheiten wie Depression, Schlaflosigkeit und niedriges Selbstwertgefühl auslösen. Die Gesundheit kann auch in Mitleidenschaft gezogen werden, weil Arztbesuche aufgeschoben wurden oder wenn es Unfälle gibt, weil Geräte nicht rechtzeitig gewartet wurden.

(dl/pte)

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