ADSL-TV auf immer verschoben?
publiziert: Montag, 30. Mai 2005 / 12:41 Uhr

"ADSL-TV kommt nun doch erst nächstes Jahr", sagt Swisscom Fixnet. Die Chancen, dass es überhaupt kommt, sinken.

Schnell schauen, was kommt. Mit ADSL-TV geht es nicht ganz so schnell.
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Swisscom Fixnet verschiebt den Start von ADSL TV auf nächstes Jahr. Im März hatte Swisscom gesagt, noch im September dieses Jahres loslegen zu wollen. Als Begründung wird angegeben, dass technische Probleme befriedigend gelöst werden müssten.

Immer wieder Pilotversuche

Damit erfährt der x-te Anlauf der Swisscom, Bewegtbild-Kommunikation massentauglich über Telefonleitungen einzusetzen, einen empfindlichen Dämpfer. Schon im Jahr 1995 - als die Swisscom noch Telecom PTT hiess - testete man in den Gemeinden Grenchen und Nyon Video und Fernsehen auf Abruf.

Später wollte Bluewin mit dem Video-on-Demand-Angebot "Stream-it" Erfahrungswerte sammeln. Ein weiteres Pilotprojekt war dann die erste Versuchsanordnung für ADSL-TV. Im Gegensatz zu "Stream-it", wo Videos über den PC betrachtet werden müssen, sollte ADSL-TV mit einer einfach zu bedienenden Settop-Box funktionieren.

IPTV hat viele Tücken

IPTV, also Video über Internet-Protokoll, ist aber bisher nirgends in der Welt wirklich erfolgreich implementiert worden. Auf jeden Fall in keinem Markt, der mit der Schweiz vergleichbar wäre, noch als echte Alternative zu den etablierten Verbreitungstechnologien Rundfunk, Satellit und Kabel.

Was der Swisscom und allen voran Microsoft, welche die Technologie stellt, in technischer Hinsicht am meisten Sorgen machen dürfte, ist die Tatsache, dass IPTV bisher nicht so einfach, schnell und praktisch konsumierbar ist. Zum Beispiel funktioniert eine der meistverbreiteten TV-Gewohnheit, das Zapping, mit ADSL-TV nicht richtig, weil die Senderumstellung aus technischen Gründen mehrere Sekunden braucht.

Coach Potato bleibt Coach Potato

Solche im Vergleich zum gewohnten TV-Erlebnis kleinen Unterschiede könnten diese Initiative absterben lassen. Es scheint, als wären die TV-Konsummuster von heute derart ausgebaut und eingelebt, dass es äusserst schwierig sein dürfte, einen auch nur teilweise neuen Zugang zum Medium zu etablieren.

Pessimisten würden sagen, dass technische Features, die sich bis heute nicht durchgesetzt haben, vom Zuschauer zu wenig gewünscht werden und deshalb keine Chance haben. Ebenso dürfte das Mehr an Kanälen nur wenige Kunden anziehen, erachtet man neue Sender doch meistens als Überangebot, als "more of the same".

Der Anfang des Endes?

Zwar wäre eine Konkurrenzsituation im Bereich der Lieferanten des TV-Programms durchaus wünschenswert. Die Wahrscheinlichkeit für positive Veränderungen, insbesondere im Preis, würde klar erhöht. Auf der anderen Seite weiss Swisscom, dass es wohl für lange Jahre nur eine Chance für einen erfolgreichen Markteintritt in diesem Bereich geben wird. Deshalb muss das Produkt "verhebe".

Mich würde es nicht wundern, wenn Swisscom deshalb im Verlauf des nächsten Jahres bekannt gäbe, dass die bisherigen Lösungsansätze für ADSL-TV aufgegeben würden und andere Technologien geprüft würden. Es wäre nicht der erste Schiffbruch für Microsoft in diesem Bereich.

(lg/news.ch)

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